Beleihungsauslauf: so wird er berechnet und so wirkt er auf den Zins

    Der Beleihungsauslauf entscheidet mit über Ihren Zins. Er wird nicht auf den Kaufpreis gerechnet, sondern auf den Beleihungswert der Bank, und der liegt fast immer darunter.

    Taschenrechner auf Plan mit Schlüssel, darunter die Überschrift „Wie er berechnet wird und was er bewirkt“
    Enis Recica Immobiliar-Darlehensvermittler nach § 34i GewO, Reg.-Nr. D-IR9N-6D2DR-51 Zuletzt geprüft am 9 Minuten Lesezeit

    Kurz gefasst

    • Der Beleihungsauslauf ist die Darlehenssumme geteilt durch den Beleihungswert der Immobilie, nicht durch den Kaufpreis.
    • Weil Banken auf den Marktwert einen Sicherheitsabschlag von häufig 10 bis 20 Prozent ansetzen, fällt der Auslauf regelmäßig höher aus, als Käufer selbst rechnen.
    • Banken staffeln ihre Zinsen nach Auslaufstufen, deshalb kann schon ein kleiner zusätzlicher Eigenkapitalbetrag die Kondition für die gesamte Zinsbindung verbessern.

    Was der Beleihungsauslauf ist und wie Sie ihn rechnen

    Der Beleihungsauslauf ist die Darlehenssumme geteilt durch den Beleihungswert der Immobilie, ausgedrückt in Prozent. Er beantwortet für die Bank eine einzige Frage: Wie viel von dem Wert, den sie im Ernstfall verwerten kann, hat sie bereits verliehen?

    Die Formel lautet: Darlehenssumme geteilt durch Beleihungswert, mal 100. Bei 270.000 Euro Darlehen und 300.000 Euro Beleihungswert sind das 90 Prozent. Bei mehreren Darlehen zählen alle Beträge zusammen, die auf demselben Objekt lasten.

    Der häufigste Fehler steckt im Nenner. Die meisten Käufer rechnen mit dem Kaufpreis, die Bank mit ihrem eigenen Beleihungswert. Weil dieser Wert in aller Regel darunter liegt, fällt der Auslauf der Bank höher aus als Ihre eigene Rechnung. Die Einordnung in den Gesamtablauf einer Baufinanzierung finden Sie auf der Themenseite.

    Nicht zu verwechseln: Die Beleihungsgrenze ist der Anteil des Beleihungswerts, bis zu dem eine Bank überhaupt beleiht. Der Auslauf ist der Anteil, den Sie tatsächlich in Anspruch nehmen.

    Kaufpreis, Verkehrswert und Beleihungswert sind drei verschiedene Zahlen

    Für die Finanzierung zählen drei Werte, und sie stimmen fast nie überein. Der Kaufpreis ist verhandelt, der Verkehrswert ist geschätzt, der Beleihungswert ist bewusst vorsichtig angesetzt.

    Für Ihren Finanzierungsbedarf zählt der Kaufpreis, für die Sicherheit der Bank der Beleihungswert. Aus dieser Lücke entsteht die häufigste Überraschung im Angebot: Der Darlehensbetrag stimmt, die Zinsstufe ist eine andere als erwartet.

    WertKaufpreis Wer ihn festlegtKäufer und Verkäufer im Kaufvertrag Wofür er zähltBestimmt Ihren Finanzierungsbedarf. Er ist kein Nachweis für den Wert des Objekts, weil er auch über oder unter dem Markt liegen kann.
    WertVerkehrswert Wer ihn festlegtGutachter oder bankinterne Bewertung, Definition in § 194 BauGB Wofür er zähltDer Preis, der zu einem Stichtag im gewöhnlichen Geschäftsverkehr erzielbar wäre, inklusive kurzfristiger Marktausschläge.
    WertBeleihungswert Wer ihn festlegtDie Bank nach eigener Wertermittlung. Für Pfandbriefbanken gilt die Beleihungswertermittlungsverordnung Wofür er zähltDer Wert, der langfristig und unabhängig von der Marktstimmung erzielbar erscheint. Er ist der Nenner im Beleihungsauslauf.

    Der Beleihungswert darf den Marktwert nicht übersteigen. Bei Pfandbriefbanken ist das vorgeschrieben, andere Institute halten sich über interne Richtlinien an denselben Grundsatz.

    Warum die Bank einen Sicherheitsabschlag ansetzt

    Der Sicherheitsabschlag deckt das Risiko ab, dass die Immobilie zum Zeitpunkt einer Verwertung weniger einbringt als heute. Er ist keine Meinung über Ihr Objekt, sondern eine Vorgabe der Bewertungsrichtlinien.

    In der Praxis liegt der Abschlag häufig zwischen 10 und 20 Prozent. Wie hoch er ausfällt, hängt vom Institut, von der Objektart und von der Lage ab. Eine gefragte Eigentumswohnung bekommt einen kleineren Abschlag als ein Sonderobjekt in einer dünn besiedelten Region.

    Dahinter stehen drei Überlegungen: Eine Verwertung findet meist dann statt, wenn die Preise ohnehin unter Druck stehen. Sie kostet Zeit und Geld. Und der Wert soll über die gesamte Laufzeit tragen, nicht nur am Tag des Kaufvertrags.

    Aus derselben Logik stammt die 60-Prozent-Marke. Nach § 14 PfandBG darf ein Darlehen nur bis 60 Prozent des Beleihungswerts als Deckung für Hypothekenpfandbriefe dienen. Dieser Teil ist für die Bank besonders günstig zu refinanzieren, und deshalb auch für Sie der günstigste Teil.

    Rechenbeispiel: aus 90 Prozent werden schnell 100 Prozent

    Ein Abschlag von 10 Prozent auf den Kaufpreis verschiebt den Auslauf um rund zehn Prozentpunkte nach oben. Das folgende Beispiel ist eine offengelegte Modellrechnung mit runden Annahmen, keine Aussage über eine konkrete Bank.

    PositionKaufpreis Annahme300.000 Euro ErgebnisGrundlage Ihrer Kalkulation
    PositionKaufnebenkosten Annahme8 Prozent, also 24.000 Euro ErgebnisGesamtkosten 324.000 Euro
    PositionEigenkapital Annahme54.000 Euro ErgebnisDarlehensbedarf 270.000 Euro
    PositionAuslauf auf den Kaufpreis gerechnet Annahme270.000 von 300.000 Euro Ergebnis90 Prozent, so rechnen die meisten Käufer
    PositionBeleihungswert der Bank Annahme10 Prozent Abschlag, also 270.000 Euro ErgebnisDer Nenner sinkt um 30.000 Euro
    PositionAuslauf auf den Beleihungswert gerechnet Annahme270.000 von 270.000 Euro Ergebnis100 Prozent, so rechnet die Bank
    PositionNötig für 90 Prozent auf den Beleihungswert AnnahmeDarlehen höchstens 243.000 Euro Ergebnis27.000 Euro mehr Eigenkapital

    Modellannahmen sind ein Abschlag von 10 Prozent und Nebenkosten von 8 Prozent. Beide unterscheiden sich je nach Bundesland, Bank und Objekt. Die Aussage ist nicht der Betrag, sondern der Mechanismus.

    Wie der Auslauf den Zins staffelt

    Banken preisen den Beleihungsauslauf nicht gleitend ein, sondern in Stufen. Sobald Sie eine Schwelle überschreiten, gilt der höhere Aufschlag für das gesamte Darlehen, nicht nur für den Teil oberhalb der Grenze.

    Die folgende Tabelle erklärt, was in der Bank hinter jeder Stufe steht. Konkrete Zinssätze nennen wir bewusst nicht, weil sie sich täglich ändern und zwischen den Banken auseinanderliegen.

    Stufebis 60 Prozent Was in der Bank dahinterstehtKlassischer Realkredit, über Pfandbriefe refinanzierbar und mit geringer Eigenkapitalbindung der Bank. Was das für Sie heißtDie günstigste Stufe. Noch mehr Eigenkapital bringt beim Zins meist keinen weiteren Vorteil.
    Stufebis 80 Prozent Was in der Bank dahinterstehtDer Teil oberhalb von 60 Prozent muss anders refinanziert und mit Risikokosten kalkuliert werden. Was das für Sie heißtDer Standardfall bei solidem Eigenkapital. Der Aufschlag zur 60er Stufe bleibt meist überschaubar.
    Stufebis 90 Prozent Was in der Bank dahinterstehtZwischenstufe, die viele Institute zusätzlich eingezogen haben. Die Objektbewertung wird strenger geprüft. Was das für Sie heißtNicht jede Bank schneidet hier. Wo es die Stufe gibt, lohnt der Vergleich mit Banken, die erst bei 100 Prozent schneiden.
    Stufebis 100 Prozent Was in der Bank dahinterstehtVollfinanzierung des Beleihungswerts, im Verwertungsfall bleibt kein Puffer. Was das für Sie heißtBonität, Einkommensstabilität und Objektqualität entscheiden. Der Aufschlag steigt spürbar.
    Stufeüber 100 Prozent Was in der Bank dahinterstehtAuch Nebenkosten werden mitfinanziert, ohne Gegenwert im Grundbuch. Was das für Sie heißtNur wenige Banken bieten das an. Der Aufschlag ist deutlich, oft kommen zusätzliche Sicherheiten dazu.

    Wo eine Bank schneidet, steht in ihrer Konditionsliste, nicht im Gesetz. Derselbe Fall kann bei zwei Instituten in zwei verschiedenen Stufen landen.

    So kommen Sie unter die nächste Stufe

    Der wirksamste Hebel ist eine Zielrechnung: Lassen Sie zuerst ausrechnen, welcher Darlehensbetrag die Schwelle genau trifft, und setzen Sie dann so viel Eigenkapital ein, wie dafür nötig ist. Wer ohne dieses Ziel nachschiebt, verbessert die Rate, aber nicht die Zinsstufe.

    • Die Schwelle rechnerisch ansteuern. 5.000 Euro, die Sie von 91 auf 89 Prozent bringen, wirken über die gesamte Zinsbindung. Dieselbe Summe innerhalb einer Stufe senkt nur die Restschuld.
    • Nebenkosten selbst tragen. Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und Courtage schaffen keinen Gegenwert im Grundbuch. Mitfinanziert treiben sie den Auslauf, ohne die Sicherheit zu erhöhen.
    • Eine zweite Sicherheit einbringen. Eine lastenfreie oder gering belastete Immobilie erhöht den Wert der Gesamtsicherheit und senkt den Auslauf, ohne dass Sie Bargeld einsetzt.
    • Die Bewertung mit Unterlagen stützen. Wohnflächenberechnung, Grundrisse, Fotos und Nachweise über Modernisierungen fließen in die Wertermittlung ein. Fehlen sie, bewertet die Bank vorsichtig.
    • Eigenkapitalersatz prüfen. Bausparguthaben, Arbeitgeberdarlehen, Familiendarlehen oder Eigenleistungen senken den Darlehensbedarf. Wie eine Bank das anerkennt, unterscheidet sich stark.
    • Die Bank nach ihren Stufen auswählen. Liegt Ihr Fall bei 88 Prozent, ist ein Haus mit Schnitt bei 90 Prozent oft günstiger als eines mit Schnitt bei 80 Prozent.

    Rechnen Sie gegen: Wenn der Sprung unter eine Stufe Ihre gesamte Rücklage aufbraucht, ist die Kondition teuer erkauft. Drei bis sechs Monatsraten sollten liquide bleiben.

    Besonderheiten bei Kapitalanlagen

    Bei vermieteten Objekten leitet die Bank den Beleihungswert stärker aus dem nachhaltig erzielbaren Ertrag ab als aus dem Kaufpreis. Damit entscheidet nicht der Preis, den Sie zahlen, über den Auslauf, sondern die Miete, die das Objekt dauerhaft trägt.

    Praktisch heißt das: Die Bank setzt eine nachhaltige Miete an, zieht Bewirtschaftungskosten ab und kapitalisiert den Rest. Liegt die vereinbarte Miete über dem, was sie als dauerhaft erzielbar ansieht, etwa bei Staffelmieten oder möblierter Vermietung, rechnet sie mit dem niedrigeren Wert. Der Auslauf steigt, obwohl sich am Kaufpreis nichts geändert hat.

    Sonderformen bekommen zusätzlich höhere Abschläge. Mikroapartments, Studentenapartments und Pflegeimmobilien haben im Verwertungsfall einen kleineren Käuferkreis, teils auch eine durch Betreiberverträge eingeschränkte Nutzung. Manche Banken finanzieren sie nur bis zu einer festen Obergrenze, unabhängig von Ihrer Bonität. Wie sich das auf die Finanzierung einer Kapitalanlage auswirkt, klärt sich am besten vor der Reservierung.

    Bei größeren Beständen kommt eine zweite Kennzahl dazu. Für ein Mehrfamilienhaus prüfen Banken neben dem Auslauf auch, ob die Mieteinnahmen den Kapitaldienst tragen. Ein niedriger Auslauf gleicht eine schwache Ertragslage nicht aus, und eine starke Ertragslage rettet keinen zu hohen Auslauf.

    Ein Punkt wird oft falsch eingeordnet: Steuerliche Vorteile aus Abschreibung und Werbungskosten ändern den Beleihungsauslauf nicht. Sie verbessern Ihre Liquidität und damit die Bonitätsprüfung, aber der Nenner der Rechnung bleibt der Beleihungswert.

    Was Sie für eine belastbare Einschätzung brauchen

    Fünf Angaben reichen, um den Auslauf vorab realistisch zu schätzen. Wer sie vor der ersten Bankanfrage zusammenstellt, erfährt die Zinsstufe nicht erst im Angebot.

    1. Kaufpreis und geplante Kaufnebenkosten nach Bundesland.
    2. Verfügbares Eigenkapital, abzüglich der Rücklage, die Sie behalten wollen.
    3. Bewertungsunterlagen: Exposé, Grundrisse, Wohnflächenberechnung, Baujahr, Modernisierungen.
    4. Bei Vermietung die aktuellen Mietverträge und Angaben zur Bewirtschaftung.
    5. Objekte, die Sie zusätzlich als Sicherheit stellen könnten, mit ihren bestehenden Grundschulden.

    Fragen Sie die Bank ausdrücklich nach dem angesetzten Beleihungswert und nach der Auslaufstufe. Beide Angaben stehen selten von allein im Angebot, verändern die Rechnung aber am stärksten.

    Häufige Fragen

    Sie teilen die Darlehenssumme durch den Beleihungswert der Immobilie und multiplizieren mit 100. Bei 270.000 Euro Darlehen und 300.000 Euro Beleihungswert sind das 90 Prozent. Wichtig ist der Nenner: Die Bank rechnet mit ihrem eigenen Beleihungswert, nicht mit dem Kaufpreis.

    Der Beleihungswert soll den Wert abbilden, der auch in einem schwachen Markt dauerhaft erzielbar ist. Deshalb zieht die Bank vom Markt- oder Kaufpreis einen Sicherheitsabschlag ab, in der Praxis häufig 10 bis 20 Prozent. Bei Pfandbriefbanken ist dieser Grundsatz in der Beleihungswertermittlungsverordnung geregelt, andere Institute arbeiten mit vergleichbaren internen Vorgaben.

    Banken arbeiten mit Stufen. Verbreitet sind Schnitte bei 60, 80, 90 und 100 Prozent, manche Banken setzen zusätzliche Grenzen. Unterhalb von 60 Prozent liegen die günstigsten Konditionen, weil dieser Teil des Darlehens als Realkredit gilt. Oberhalb von 100 Prozent finanzieren nur noch wenige Banken, und der Aufschlag fällt deutlich aus.

    Am wirksamsten sind zusätzliches Eigenkapital genau bis zur Schwelle, eine weitere Sicherheit wie eine lastenfreie Immobilie und vollständige Bewertungsunterlagen, die den Beleihungswert stützen. Lassen Sie sich vorher ausrechnen, welcher Darlehensbetrag die Stufe genau trifft, sonst setzt Sie Eigenkapital ein, ohne die Kondition zu verbessern.

    Ja. Bei vermieteten Objekten wird der Beleihungswert stärker aus dem nachhaltig erzielbaren Ertrag abgeleitet, nicht aus dem Kaufpreis. Sonderformen wie möblierte Apartments, Mikroapartments oder Pflegeimmobilien bekommen häufig höhere Abschläge, weil der Nutzerkreis bei einer Verwertung kleiner ist. Der Auslauf fällt dadurch höher aus als bei einer vergleichbaren selbst genutzten Wohnung.

    Quellen und Rechtsgrundlagen

    Die Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden Quellen. Gesetzestexte und Programmbedingungen ändern sich, prüfen Sie im Zweifel den dort veröffentlichten Stand.

    Passend zum Thema

    Baufinanzierung

    Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Rechtsstand ist der . Für steuerliche Fragen ziehen Sie bitte zusätzlich einen Steuerberater hinzu.

    Bereit für Ihre stressfreie Finanzierung?

    Lassen Sie sich kostenlos beraten und finden Sie heraus, wie wir Sie Schritt für Schritt zu Ihrer Traumimmobilie begleiten.

    Kostenlose Erstberatung
    Persönlicher Ansprechpartner
    In der Regel Zusage in 5 bis 7 Tagen
    Steuerliche Tipps inklusive
    Begleitung bis zum Notartermin
    ✓ 100% kostenlos · ✓ Keine Verpflichtungen · ✓ Antwort innerhalb von 24h
    Schnell Antwort erhalten!