Eigenkapital bei der Immobilienfinanzierung: wie viel Sie wirklich brauchen

    Eigenkapital entscheidet nicht nur darüber, ob Sie eine Zusage bekommen, sondern vor allem über Ihren Zinssatz. Was zählt, was nicht zählt und wo die Grenzen liegen.

    Familie steht vor ihrem Rohbau, darunter die Überschrift „Wie viel Sie wirklich brauchen“
    Enis Recica Immobiliar-Darlehensvermittler nach § 34i GewO, Reg.-Nr. D-IR9N-6D2DR-51 Zuletzt geprüft am 8 Minuten Lesezeit

    Kurz gefasst

    • Als Faustregel bringen Sie die Kaufnebenkosten aus eigenem Geld auf und zusätzlich einen Anteil am Kaufpreis, üblich sind 10 bis 20 Prozent.
    • Die Kaufnebenkosten werden fast nie mitfinanziert, weil sie im Ernstfall keinen Verwertungswert haben und deshalb den Beleihungsauslauf über 100 Prozent treiben würden.
    • Jeder Schritt nach unten beim Beleihungsauslauf senkt den Zins, weil die Bank ihren Risikoaufschlag an dieser Kennzahl festmacht.

    Wie viel Eigenkapital brauchen Sie wirklich?

    Die verbreitete Faustregel lautet: Kaufnebenkosten vollständig aus eigenem Geld und zusätzlich ein Anteil am Kaufpreis, üblicherweise 10 bis 20 Prozent. Wer diese Marke trifft, bekommt in der Regel Zusagen von mehreren Banken und einen Zins im normalen Bereich.

    Der Grund für die Zweiteilung ist einfach. Die Kaufnebenkosten verschwinden im Moment des Kaufs, sie stecken nicht in der Immobilie. Der Kaufpreisanteil dagegen senkt die Darlehenssumme im Verhältnis zum Objektwert, und dieses Verhältnis bestimmt den Risikoaufschlag der Bank.

    Ein Beispiel für Rheinland-Pfalz: Bei 300.000 Euro Kaufpreis fallen 5,0 Prozent Grunderwerbsteuer an, also 15.000 Euro, dazu etwa 1,5 bis 2,0 Prozent für Notar und Grundbuch, also grob 4.500 bis 6.000 Euro. Ohne Makler landen Sie bei rund 20.000 Euro Nebenkosten. Kommt eine Maklercourtage dazu, steigt die Summe je nach Vereinbarung deutlich. Mit 10 Prozent Kaufpreisanteil brauchen Sie also etwa 50.000 Euro, mit 20 Prozent rund 80.000 Euro.

    Diese Werte sind Größenordnungen, keine festen Grenzen. Wie viel Ihre Bank sehen will, hängt am Einkommen, an der Immobilie und an der Lage. In der Baufinanzierung rechnen wir diesen Punkt immer zuerst durch, weil er den Rahmen für alles Weitere setzt.

    Planen Sie zusätzlich eine Reserve ein, die Sie nicht in die Finanzierung stecken. Drei bis sechs Nettogehälter auf dem Tagesgeldkonto verhindern, dass eine defekte Heizung sofort zum Kreditproblem wird.

    Was als Eigenkapital zählt und was nicht

    Als Eigenkapital zählt alles, was Sie kurzfristig und ohne neue Schulden in die Finanzierung einbringen können. Alles, was erst verkauft, gekündigt oder beliehen werden müsste, betrachten Banken zurückhaltend oder gar nicht.

    Die Bank fragt bei jeder Position dieselben zwei Dinge: Ist das Geld zum Notartermin sicher verfügbar, und schafft es keine neue Verpflichtung? Ein Konsumkredit für die Anzahlung fällt bei beiden Fragen durch, weil er die Rate erhöht und in der Schufa steht.

    PositionGuthaben auf Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonto Bewertung durch die BankVoll anrechenbar, einfachster Nachweis über Kontoauszüge.
    PositionBausparguthaben Bewertung durch die BankVoll anrechenbar, sobald das Guthaben verfügbar ist. Nachweis über den Kontoauszug der Bausparkasse.
    PositionWertpapiere, Fonds, ETFs Bewertung durch die BankMeist anrechenbar, oft mit Abschlag wegen der Kursschwankung. Verkauf vor dem Notartermin ist der saubere Weg.
    PositionRückkaufswert einer Lebensversicherung Bewertung durch die BankAnrechenbar, wenn Sie kündigen oder Ihnen der Rückkaufswert bestätigt wird. Prüfen Sie vorher, ob sich die Kündigung überhaupt lohnt.
    PositionBereits bezahltes Grundstück Bewertung durch die BankAnrechenbar mit dem Verkehrswert, ein starker Hebel beim Neubau.
    PositionArbeitgeberdarlehen Bewertung durch die BankWird meist wie Eigenkapital behandelt, wenn es nachrangig ist und die Rate in der Haushaltsrechnung berücksichtigt wird.
    PositionGeschenktes oder geliehenes Geld aus der Familie Bewertung durch die BankAnrechenbar bei einer schriftlichen Schenkung. Ein privates Darlehen zählt dagegen als Verbindlichkeit, nicht als Eigenkapital.
    PositionKonsumkredit oder Dispo für die Anzahlung Bewertung durch die BankKein Eigenkapital. Erhöht die monatliche Belastung und verschlechtert die Bonität.
    PositionNoch nicht ausgezahlte Boni oder erwartete Erbschaften Bewertung durch die BankKein Eigenkapital, solange das Geld nicht auf dem Konto liegt.

    Warum die Kaufnebenkosten fast nie mitfinanziert werden

    Kaufnebenkosten haben keinen Verwertungswert. Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und Courtage sind bezahlt und weg, sie erhöhen weder den Wert noch die Verkäuflichkeit der Immobilie. Finanziert die Bank sie mit, liegt die Darlehenssumme über dem Wert der Sicherheit.

    Es entsteht also ein Teil des Darlehens, der bei einer Verwertung nicht gedeckt wäre und den die Bank im Ernstfall abschreiben müsste. Deshalb verlangen die meisten Banken hier eigenes Geld, unabhängig vom Einkommen.

    Die drei großen Blöcke sind gesetzlich beziehungsweise vertraglich festgelegt. Die Grunderwerbsteuer richtet sich nach dem Landessatz, in Rheinland-Pfalz sind es 5,0 Prozent (Grundlage ist § 11 GrEStG, die Länder dürfen davon abweichen). Notar und Grundbuch rechnen nach dem GNotKG ab und liegen zusammen bei etwa 1,5 bis 2,0 Prozent. Die Maklercourtage hängt an der Vereinbarung, beim Kauf einer Wohnung oder eines Einfamilienhauses durch einen Verbraucher gilt aber die Teilungsregel aus § 656c BGB und § 656d BGB.

    Es gibt Ausnahmen. Einzelne Banken finanzieren Nebenkosten mit, verlangen dafür aber sehr gute Bonität, eine gut verwertbare Immobilie und einen spürbaren Zinsaufschlag.

    Der Beleihungsauslauf entscheidet über Ihren Zins

    Nicht die absolute Höhe Ihres Eigenkapitals bestimmt den Zins, sondern der Beleihungsauslauf. Das ist das Verhältnis von Darlehenssumme zum Beleihungswert, den die Bank für die Immobilie ansetzt. Je niedriger diese Quote, desto geringer der Risikoaufschlag.

    Wichtig ist der Unterschied zwischen Kaufpreis und Beleihungswert. Banken setzen den Beleihungswert vorsichtig an, häufig mit einem Abschlag auf den Kaufpreis. Ein Kaufpreis über Marktniveau verschlechtert den Beleihungsauslauf deshalb doppelt, weil das Darlehen steigt und der angerechnete Wert nicht mitwächst.

    Die Sprünge im Zins passieren an festen Schwellen. Wer knapp über einer Grenze liegt und mit ein paar tausend Euro darunter kommt, spart über die gesamte Zinsbindung oft ein Vielfaches dieses Betrags.

    Beleihungsauslaufbis 60 Prozent Was das für die Kondition bedeutetBester Bereich. Die Immobilie liegt vollständig im sicheren Teil, der Aufschlag ist minimal.
    Beleihungsauslaufbis 80 Prozent Was das für die Kondition bedeutetMarktüblicher Standard, breite Auswahl an Banken, moderater Aufschlag.
    Beleihungsauslaufbis 90 Prozent Was das für die Kondition bedeutetNoch gut finanzierbar, der Aufschlag steigt spürbar an.
    Beleihungsauslaufbis 100 Prozent Was das für die Kondition bedeutetNur mit sehr guter Bonität, deutlich höherer Zins, weniger Banken im Rennen.
    Beleihungsauslaufüber 100 Prozent Was das für die Kondition bedeutetNebenkosten sind mitfinanziert. Nur wenige Banken gehen mit, der Aufschlag ist am größten.

    Die Schwellen sind Größenordnungen aus der Praxis. Jede Bank hat eigene Staffeln, deshalb sagt ein Vergleich mehr aus als eine einzelne Zinstabelle.

    Vollfinanzierung: wann Banken ohne Eigenkapital mitgehen

    Eine Vollfinanzierung ist möglich, aber sie ist die Ausnahme und sie kostet Zins. Banken gehen mit, wenn das Einkommen den fehlenden Puffer ersetzt und die Immobilie im Zweifel schnell verkäuflich ist.

    In der Praxis prüfen die Banken dabei vier Dinge besonders genau.

    • Einkommen und Stabilität. Unbefristete Anstellung, Probezeit vorbei, möglichst zwei Verdiener und ein Einkommen deutlich über dem Durchschnitt.
    • Haushaltsrechnung. Nach Rate, Nebenkosten und pauschalen Lebenshaltungskosten muss ein klarer Überschuss bleiben, nicht nur eine schwarze Null.
    • Objekt und Lage. Gefragt sind Standardobjekte in nachgefragten Lagen. Besonderheiten wie Erbbaurecht, Sanierungsstau oder abgelegene Lage sind hier Ausschlussgründe.
    • Bonität ohne Auffälligkeiten. Saubere Schufa, keine laufenden Konsumkredite, geordnete Kontoführung über die letzten Monate.

    Rechnen Sie eine Vollfinanzierung immer gegen die Variante mit 10 Prozent Eigenkapital durch. Häufig ist der Zinsvorteil über die Zinsbindung größer als der Betrag, den Sie zusätzlich einbringen.

    Eigenleistung und Muskelhypothek

    Eigenleistung wird als Eigenkapital anerkannt, aber nur begrenzt und nur für Arbeiten, die Sie wirklich selbst ausführen können. Angerechnet wird der ersparte Lohnanteil, nicht das Material, denn das Material müssen Sie ohnehin bezahlen.

    Banken deckeln die Muskelhypothek, üblich ist eine Obergrenze im niedrigen fünfstelligen Bereich oder ein Prozentsatz der Bausumme. Die genaue Höhe legt jedes Haus selbst fest. Wer handwerklich ausgebildet ist oder Fachleute in der Familie hat, bekommt erfahrungsgemäß mehr anerkannt als jemand ohne Vorkenntnisse.

    Für den Nachweis brauchen Sie eine Aufstellung der Gewerke mit Stundenzahl und ortsüblichem Stundensatz, dazu Handwerkerangebote als Vergleichsmaßstab. Anerkannt werden typischerweise Maler- und Tapezierarbeiten, Bodenbeläge, Fliesen, Innenausbau und Außenanlagen. Elektro, Sanitär, Heizung, Statik und Dach bleiben außen vor, weil Abnahme und Haftung an einem Fachbetrieb hängen.

    Der ehrlichste Test ist die Zeitfrage. Kalkuliere, wie viele Stunden neben dem Beruf realistisch übrig bleiben. Bleibt der Bau liegen, verlängert sich die Bauzeit, und Bereitstellungszinsen fressen den gesparten Betrag schnell wieder auf.

    Eigenkapitalersatz: Bausparen, Lebensversicherung, Arbeitgeberdarlehen

    Wenn das Guthaben auf dem Konto nicht reicht, lohnt der Blick auf Werte, die Sie bereits aufgebaut haben. Vier Quellen tauchen in der Praxis am häufigsten auf, und jede hat eine Bedingung.

    1. Bausparguthaben: Das angesparte Guthaben zählt als Eigenkapital, sobald es verfügbar ist. Ein zuteilungsreifer Vertrag bringt zusätzlich ein zinsgesichertes Darlehen. Nicht zuteilungsreif heißt: Der Guthabenteil zählt trotzdem, sobald Sie kündigen oder er ausgezahlt wird.
    2. Lebens- oder Rentenversicherung: Der Rückkaufswert ist anrechenbar, wenn Sie kündigen. Lassen Sie ihn sich schriftlich bestätigen und prüfen Sie, ob Garantiezins und Steuerfreiheit bei Altverträgen nicht mehr wert sind als der gesparte Zins. Eine Beleihung ist ebenfalls möglich, zählt dann aber als Fremdkapital.
    3. Arbeitgeberdarlehen: Wird häufig wie Eigenkapital behandelt, wenn es zinsgünstig und nachrangig ist. Die Rate muss in die Haushaltsrechnung, und Sie sollten wissen, was bei einem Jobwechsel passiert. Viele Verträge stellen das Darlehen dann sofort fällig.
    4. Öffentliche Zuschüsse und Förderdarlehen: Sie ersetzen kein Eigenkapital, verkleinern aber den teuren Bankanteil. Prüfen Sie sie parallel, nicht erst nach der Zusage.

    Kündigen Sie nichts, bevor die Finanzierung steht. Eine gekündigte Versicherung lässt sich nicht zurückholen, wenn der Kauf platzt.

    Eigennutzer oder Kapitalanleger: warum die Rechnung anders aussieht

    Bei Eigennutzung ist mehr Eigenkapital fast immer die bessere Wahl, bei einer Kapitalanlage nicht zwingend. Der Unterschied liegt darin, dass Schuldzinsen bei vermieteten Objekten steuerlich abziehbar sind, bei selbst genutzten dagegen nicht.

    Als Eigennutzer zahlen Sie jeden Zinseuro aus versteuertem Einkommen. Es gibt keinen Mietertrag, der gegengerechnet wird, Ihre Rate muss allein aus dem Gehalt kommen. Deshalb zielt die Bank hier auf einen niedrigen Beleihungsauslauf und eine Rate, die auch nach der Zinsbindung tragbar bleibt.

    Bei einer Kapitalanlage rechnet die Bank die Miete anteilig mit ein, meist mit einem Abschlag für Leerstand und Instandhaltung. Viele Anleger setzen bewusst weniger Eigenkapital ein, um die Mittel auf mehrere Objekte zu verteilen. Das ist eine Entscheidung für mehr Hebel und mehr Risiko, keine Sparmaßnahme. Wie sich das im Einzelfall rechnet, gehört in die Finanzierung der Kapitalanlage und in ein Gespräch mit dem Steuerberater.

    Für beide Gruppen gilt derselbe letzte Schritt: Die Konditionsstaffeln unterscheiden sich von Bank zu Bank erheblich, gerade in den Bereichen über 80 Prozent Beleihungsauslauf. Ein Vergleich mehrerer Banken zeigt schneller als jede Faustregel, wo Ihr Eigenkapital den größten Zinseffekt hat.

    Häufige Fragen

    Als Faustregel gilt: die vollständigen Kaufnebenkosten plus 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises. In Rheinland-Pfalz liegen allein die Nebenkosten bei 5,0 Prozent Grunderwerbsteuer und etwa 1,5 bis 2,0 Prozent für Notar und Grundbuch, dazu kommt eine mögliche Maklercourtage. Weniger ist möglich, kostet aber Zins.

    Weil Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und Courtage keinen Gegenwert schaffen, der im Fall einer Verwertung wieder zu Geld wird. Finanziert die Bank sie mit, liegt die Darlehenssumme über dem Beleihungswert der Immobilie. Dieser Teil wäre bei einem Verkauf nicht gedeckt, deshalb verlangen die meisten Banken hier eigenes Geld.

    Teilweise. Banken erkennen Eigenleistung als sogenannte Muskelhypothek an, aber nur in begrenzter Höhe und nur für Gewerke, die Sie nachweislich selbst ausführen können. Anerkannt wird der ersparte Lohnanteil, nicht das Material. Üblich ist eine Deckelung im niedrigen fünfstelligen Bereich, die Höhe legt jede Bank selbst fest.

    Ja, aber nur unter engen Bedingungen. Banken verlangen dafür in der Regel ein sicheres, unbefristetes Einkommen deutlich über dem Durchschnitt, eine saubere Bonität, eine gut verwertbare Immobilie in nachgefragter Lage und einen spürbaren Überschuss in der Haushaltsrechnung. Der Zinsaufschlag gegenüber einer Finanzierung mit 20 Prozent Eigenkapital ist deutlich.

    Bei einer vermieteten Immobilie fließt die Miete in die Kapitaldienstrechnung ein, deshalb tragen viele Anleger bewusst weniger Eigenkapital ein und nutzen die Schuldzinsen als Werbungskosten. Die Bank prüft dann stärker die Mietrendite und die Lage. Bei Eigennutzung zählt dagegen allein Ihr Einkommen, weil kein Mietertrag gegengerechnet wird.

    Quellen und Rechtsgrundlagen

    Die Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden Quellen. Gesetzestexte und Programmbedingungen ändern sich, prüfen Sie im Zweifel den dort veröffentlichten Stand.

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    Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Rechtsstand ist der . Für steuerliche Fragen ziehen Sie bitte zusätzlich einen Steuerberater hinzu.

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