Kaufnebenkosten über einen Kredit finanzieren: wann der getrennte Weg passt

    Die Nebenkosten lassen sich über ein zweites Darlehen ohne Grundschuld bezahlen, während die Immobilienbank nur den Kaufpreis finanziert. Das funktioniert gut, wenn beide Kredite von Anfang an in einer Rechnung stehen.

    Taschenrechner, Belege und Schlüssel auf einem Holztisch, darunter die Überschrift „Nebenkosten über einen eigenen Kredit zahlen“
    Enis Recica Immobiliar-Darlehensvermittler nach § 34i GewO, Reg.-Nr. D-IR9N-6D2DR-51 Zuletzt geprüft am 9 Minuten Lesezeit

    Kurz gefasst

    • Ein getrenntes Darlehen für die Kaufnebenkosten läuft ohne Grundschuld neben der Baufinanzierung und wird allein über Ihr Einkommen und Ihre Bonität abgesichert.
    • Sinnvoll ist es vor allem, wenn die Immobilienbank nur bis zum Kaufpreis finanzieren möchte, das Haushaltsbudget eine zweite Rate trägt und die Nebenkosten schnell fällig werden.
    • Die Bank der Baufinanzierung muss den zweiten Kredit vor ihrer Entscheidung kennen, weil die zusätzliche Rate ihre Haushaltsrechnung verändert.

    Kann man Kaufnebenkosten über einen eigenen Kredit finanzieren?

    Ja, die Kaufnebenkosten lassen sich über ein zweites Darlehen bezahlen, das ohne Grundschuld neben der eigentlichen Baufinanzierung läuft. Die Immobilienbank finanziert dann nur den Kaufpreis, und der zweite Kredit deckt Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuchamt und gegebenenfalls die Maklerprovision. Abgesichert ist dieses Darlehen nicht über das Grundbuch, sondern allein über Ihr Einkommen und Ihre Bonität.

    Der Weg ist nicht die einzige Lösung. Viele Banken nehmen die Nebenkosten direkt in das Baudarlehen auf, dann steigt die Finanzierung über den Kaufpreis hinaus. Welche Posten überhaupt anfallen und in welcher Reihenfolge Sie sie zahlen, erklärt der Beitrag Kaufnebenkosten in Rheinland-Pfalz. Hier geht es um die Frage, wann der getrennte Kredit die bessere Wahl ist und was Sie dabei beachten müssen.

    Der Kern lässt sich in einem Satz sagen: Zwei Kredite für einen Kauf sind kein Problem, solange beide Banken von beiden Verträgen wissen. Schwierig wird es erst, wenn der zweite Kredit an der ersten Bank vorbei aufgenommen wird.

    Ein Darlehen ohne Grundschuld heißt im Gesetz Allgemein-Verbraucherdarlehen. Für Sie bedeutet das vor allem: kein Notartermin, kein Grundbucheintrag und das Recht, jederzeit vorzeitig zurückzuzahlen.

    Wann der getrennte Kredit der richtige Weg ist

    Der getrennte Kredit passt, wenn die Immobilienbank beim Kaufpreis eine Grenze zieht, Ihr Einkommen eine zweite Rate gut trägt und Sie die Nebenkosten früh bezahlen müssen. Treffen alle drei Punkte zu, ist er oft der pragmatischste Weg zur Unterschrift beim Notar.

    Die Grenze beim Kaufpreis ist der häufigste Auslöser. Manche Banken finanzieren über das Grundbuch nur bis zur Höhe des Kaufpreises oder knapp darüber, weil ihr Risiko mit jedem Euro oberhalb des Beleihungsauslaufs steigt. Eine Finanzierung von 110 Prozent oder mehr bieten nicht alle an, und wer sie anbietet, verlangt dafür eine sehr gute Bonität. Was Banken bei solchen Quoten sehen wollen, steht im Beitrag Vollfinanzierung: was die Bank verlangt.

    Typische Situationen, in denen der getrennte Kredit sinnvoll ist, sehen so aus:

    SituationDie Immobilienbank finanziert nur bis zum Kaufpreis Warum der getrennte Kredit hilftDer Kaufpreis läuft über das günstigere Darlehen mit Grundschuld, die Nebenkosten über den zweiten Vertrag.
    SituationEigenkapital ist gebunden, etwa in einer Festgeldanlage oder einem Bausparvertrag Warum der getrennte Kredit hilftDer Kredit überbrückt die Zeit, bis das Geld frei ist, und wird dann vorzeitig getilgt.
    SituationEine Sonderzahlung ist absehbar, zum Beispiel ein Bonus oder eine Erbschaft Warum der getrennte Kredit hilftDas kurze Darlehen lässt sich jederzeit ablösen, ohne dass das Baudarlehen berührt wird.
    SituationDie Grunderwerbsteuer wird fällig, bevor das Baudarlehen auszahlt Warum der getrennte Kredit hilftEin Kredit ohne Grundbucheintrag ist schneller verfügbar als eine Aufstockung mit neuer Grundschuld.

    Nicht passend ist der getrennte Kredit, wenn das Einkommen schon mit der Rate für das Baudarlehen knapp kalkuliert ist. Eine zweite Rate mit kürzerer Laufzeit belastet den Haushalt in den ersten Jahren spürbar stärker.

    Warum die erste Bank von dem zweiten Kredit wissen muss

    Die Bank der Baufinanzierung muss den Kredit für die Nebenkosten kennen, weil sie ihre Zusage auf eine Rechnung stützt, in der jede Rate Ihres Haushalts steht. Nach § 505a BGB ist sie sogar verpflichtet, Ihre Kreditwürdigkeit vor dem Vertrag zu prüfen. Eine zweite Rate, die in dieser Prüfung fehlt, verfälscht das Ergebnis.

    In der Selbstauskunft fragt jede Bank nach bestehenden und geplanten Verbindlichkeiten. Wer dort den geplanten Kredit für die Nebenkosten weglässt, gibt eine unvollständige Auskunft. Das fällt häufig früher auf, als viele denken: Der neue Vertrag erscheint in der Schufa, und viele Banken holen kurz vor der Auszahlung noch einmal eine Auskunft ein.

    Die Folgen reichen von einer Rückfrage bis zum Verlust der Zusage. Vor der Auszahlung kann ein Darlehensgeber nach § 490 BGB kündigen, wenn sich die Vermögensverhältnisse wesentlich verschlechtern und die Rückzahlung gefährdet ist. In der Praxis endet das selten so drastisch, aber schon eine neue Prüfung kostet Wochen, und der Notartermin wartet nicht.

    Offen gelegt ist der zweite Kredit dagegen kein Makel. Die Bank rechnet die Rate ein, prüft, ob der Haushalt beide Belastungen trägt, und entscheidet auf dieser Grundlage. Dasselbe gilt übrigens für andere Anschaffungen rund um den Einzug, wie im Beitrag Einrichtung mitfinanzieren beschrieben.

    Die richtige Reihenfolge: zuerst beide Finanzierungen gemeinsam planen, dann die Selbstauskunft mit beiden Raten einreichen, dann unterschreiben. Nicht umgekehrt.

    Mit welchen Nebenkosten Sie in Rheinland-Pfalz rechnen

    In Rheinland-Pfalz bestehen die Kaufnebenkosten aus Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch sowie gegebenenfalls der Maklerprovision. Die Grunderwerbsteuer beträgt hier 5,0 Prozent des Kaufpreises. Den Steuersatz legen die Länder seit der Föderalismusreform selbst fest, die Grundlage dafür ist § 11 GrEStG.

    Notar und Grundbuchamt rechnen nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz ab. Als Erfahrungswert für Beurkundung, Auflassungsvormerkung, Eigentumsumschreibung und Grundschuld werden meist 1,5 bis 2,0 Prozent des Kaufpreises angesetzt. Bei der Maklerprovision zahlen Käufer einer Wohnung oder eines Einfamilienhauses höchstens die Hälfte, wenn der Makler für beide Seiten tätig ist.

    Wichtig für den getrennten Kredit ist vor allem der Zeitpunkt. Nach § 15 GrEStG wird die Grunderwerbsteuer einen Monat nach Bekanntgabe des Bescheids fällig. Erst danach stellt das Finanzamt die Unbedenklichkeitsbescheinigung aus, ohne die Sie nach § 22 GrEStG nicht als Eigentümer ins Grundbuch kommen. Die Steuer ist damit oft früher zu zahlen als der Kaufpreis selbst.

    Eine Modellrechnung: beide Wege nebeneinander

    Der Unterschied zwischen beiden Wegen zeigt sich am Darlehensbetrag und am Beleihungsauslauf. Die folgende Rechnung beruht auf klar gekennzeichneten Modellannahmen: ein Kaufpreis von 350.000 Euro für ein Haus in Rheinland-Pfalz, Notar und Grundbuch mit 1,75 Prozent, eine Maklerprovision von 3,57 Prozent für den Käufer und 15.000 Euro Eigenkapital. Es ist eine Modellrechnung und keine Zusage.

    PostenKaufpreis (Modellannahme) Betrag350.000 Euro
    PostenGrunderwerbsteuer, 5,0 Prozent Betrag17.500 Euro
    PostenNotar und Grundbuch, 1,75 Prozent (Modellannahme) Betrag6.125 Euro
    PostenMaklerprovision Käuferanteil, 3,57 Prozent (Modellannahme) Betrag12.495 Euro
    PostenNebenkosten zusammen Betrag36.120 Euro
    PostenEigenkapital (Modellannahme) Betrag15.000 Euro
    PostenOffener Betrag für die Nebenkosten Betrag21.120 Euro

    Was die Modellrechnung für den Beleihungsauslauf bedeutet

    Im ersten Weg nimmt die Immobilienbank die offenen Nebenkosten in das Baudarlehen auf. Das Darlehen beträgt dann 371.120 Euro, rund 106 Prozent des Kaufpreises. Bezogen auf den Beleihungswert, den die Bank meist unter dem Kaufpreis ansetzt, liegt der Auslauf noch höher.

    Im zweiten Weg finanziert die Immobilienbank genau den Kaufpreis von 350.000 Euro, also 100 Prozent. Die 21.120 Euro laufen über das getrennte Darlehen ohne Grundschuld. Für die Immobilienbank sinkt der Auslauf, für Ihren Haushalt kommt eine zweite Rate dazu, die wegen der kürzeren Laufzeit meist höher ausfällt als ihr Anteil im Baudarlehen wäre.

    Baudarlehen mit Grundschuld Weg 1: alles im Baudarlehen371.120 Euro Weg 2: getrennter Kredit350.000 Euro
    Darlehen ohne Grundschuld Weg 1: alles im Baudarlehenkeins Weg 2: getrennter Kredit21.120 Euro
    Auslauf bezogen auf den Kaufpreis Weg 1: alles im Baudarlehenrund 106 Prozent Weg 2: getrennter Kredit100 Prozent
    Zahl der Verträge und Raten Weg 1: alles im Baudarleheneiner Weg 2: getrennter Kreditzwei
    Notar für den Zusatzbetrag Weg 1: alles im Baudarlehenin der Grundschuld enthalten Weg 2: getrennter Kreditnicht nötig

    Eine monatliche Rate lässt sich ohne Zinssatz nicht seriös rechnen, und konkrete Konditionen nennt dieser Ratgeber bewusst nicht. Welcher Weg in Ihrem Fall günstiger ist, zeigt der Vergleich echter Angebote im Gespräch.

    Worauf Sie beim Vertrag für die Nebenkosten achten

    Achten Sie beim Kredit für die Nebenkosten vor allem auf das Recht zur vorzeitigen Rückzahlung, auf eine Laufzeit, die zu Ihrem Haushalt passt, und auf den Auszahlungstermin. Diese drei Punkte entscheiden, ob der Kredit eine Brücke bleibt oder über Jahre zur Belastung wird.

    Ein Darlehen ohne Grundschuld ist nach § 491 BGB ein Allgemein-Verbraucherdarlehen. Sie dürfen es nach § 500 Abs. 2 BGB jederzeit ganz oder teilweise zurückzahlen. Eine Vorfälligkeitsentschädigung darf die Bank verlangen, sie ist durch § 502 Abs. 3 BGB aber nach oben begrenzt. Das macht den Kredit zur guten Brücke, wenn Geld später frei wird.

    Die Laufzeit ist ein Abwägen. Je kürzer, desto schneller ist der Kredit erledigt, desto höher ist aber auch die Rate in den ersten Jahren, in denen nach dem Kauf ohnehin vieles Geld kostet. Wer bereits andere Ratenkredite hat, sollte prüfen, ob sich diese mit dem Kauf neu ordnen lassen. Wie das geht, beschreibt der Beitrag Kredite in die Immobilienfinanzierung bündeln.

    1. Kaufpreis, Nebenkosten und vorhandenes Eigenkapital in einer Aufstellung zusammenführen.
    2. Klären, ob die Immobilienbank die Nebenkosten selbst mitfinanziert oder beim Kaufpreis bleiben will.
    3. Den Kredit für die Nebenkosten mit Betrag und geschätzter Rate in die Selbstauskunft für das Baudarlehen aufnehmen.
    4. Beide Angebote so abstimmen, dass das Geld vor Fälligkeit der Grunderwerbsteuer bereitsteht.
    5. Im Vertrag für die Nebenkosten prüfen, wie vorzeitige Rückzahlungen angekündigt werden.
    6. Eine absehbare Sonderzahlung direkt für die Tilgung dieses Kredits einplanen.

    Haben Sie die Nebenkosten bei einer vermieteten Immobilie über einen Kredit bezahlt, können die Zinsen steuerlich eine Rolle spielen. Wie das in Ihrem Fall aussieht, klären Sie bitte mit Ihrem Steuerberater.

    Wie ich die beiden Wege mit Ihnen vergleiche

    Am besten vergleichen Sie beide Wege, bevor Sie eine Bank fest ansprechen. Dann steht fest, ob die Nebenkosten in das Baudarlehen gehen oder getrennt laufen, und die Selbstauskunft ist von Anfang an vollständig. Auf der Seite Kaufnebenkosten mitfinanzieren finden Sie die Varianten im Überblick.

    Im Gespräch lege ich beide Angebote nebeneinander, mit Rate, Laufzeit und Gesamtkosten. So sehen Sie, ob sich der niedrigere Auslauf beim Baudarlehen gegen die höhere Rate des zweiten Kredits rechnet. Die konkreten Konditionen besprechen wir dort, nicht im Ratgeber, weil sie von Ihrer Bonität und vom Objekt abhängen.

    Häufige Fragen

    Ja. Ein Darlehen ohne Grundschuld, das neben der Baufinanzierung läuft, ist ein üblicher Weg, wenn das Eigenkapital für Grunderwerbsteuer, Notar und Makler nicht reicht. Die Immobilienbank finanziert dann den Kaufpreis, der zweite Kredit die Nebenkosten. Voraussetzung ist, dass Ihr Einkommen beide Raten trägt und die Immobilienbank den zweiten Vertrag in ihrer Prüfung berücksichtigt.

    Ja. In der Selbstauskunft fragt die Bank nach allen laufenden und geplanten Verbindlichkeiten, und auf dieser Grundlage rechnet sie Ihren Haushalt. Ein zweiter Kredit, der dort fehlt, macht die Rechnung falsch. Erfährt die Bank vor der Auszahlung davon, kann sie die Zusage neu prüfen. Wer beide Verträge von Anfang an offenlegt, hat dieses Risiko nicht.

    Das lässt sich nicht pauschal sagen. Der Kredit ohne Grundschuld ist für sich genommen meist teurer, weil die Bank keine Sicherheit im Grundbuch hat. Dafür kann das Baudarlehen bei einem Beleihungsauslauf bis zum Kaufpreis günstiger ausfallen als eine Finanzierung über den Kaufpreis hinaus. Welche Kombination unterm Strich besser ist, zeigt erst der Vergleich beider Varianten mit echten Angeboten.

    Nach § 15 GrEStG wird die Grunderwerbsteuer einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheids fällig. Erst wenn sie bezahlt ist, stellt das Finanzamt die Unbedenklichkeitsbescheinigung aus, ohne die das Grundbuchamt Sie nicht als Eigentümer einträgt. Das Geld für die Nebenkosten muss deshalb oft verfügbar sein, bevor das Baudarlehen den Kaufpreis auszahlt.

    Ja. Ein Darlehen ohne Grundpfandrecht ist in der Regel ein Allgemein-Verbraucherdarlehen, und das dürfen Sie nach § 500 Abs. 2 BGB jederzeit ganz oder teilweise vorzeitig tilgen. Eine Vorfälligkeitsentschädigung ist möglich, aber durch § 502 Abs. 3 BGB der Höhe nach begrenzt. Viele Käufer nutzen das, um den Kredit mit einer Steuererstattung, einem Bonus oder einer Erbschaft früh abzulösen.

    Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Rechtsstand ist der . Für steuerliche Fragen ziehen Sie bitte zusätzlich einen Steuerberater hinzu.

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