Kaufpreisfaktor und Mietrendite: was die Bank daraus liest

    Der Kaufpreisfaktor ist für Sie eine Renditezahl und für die Bank ein Warnsignal. Sie liest daraus, wie weit Kaufpreis und Ertragswert auseinanderliegen, und genau diese Lücke müssen Sie mit Eigenkapital oder Sicherheiten schließen.

    Taschenrechner auf Plan mit Schlüssel, darunter die Überschrift „Kaufpreisfaktor und Mietrendite“
    Enis Recica Immobiliar-Darlehensvermittler nach § 34i GewO, Reg.-Nr. D-IR9N-6D2DR-51 Zuletzt geprüft am 9 Minuten Lesezeit

    Kurz gefasst

    • Der Kaufpreisfaktor ist der Kaufpreis geteilt durch die Jahresnettokaltmiete, die Bruttomietrendite sein Kehrwert: Faktor 20 entspricht 5,0 Prozent, Faktor 25 entspricht 4,0 Prozent.
    • Die Bank liest aus dem Faktor, wie weit Kaufpreis und Ertragswert auseinanderliegen; bei 15 Prozent Bewirtschaftungskosten nach § 11 BelWertV und einem Kapitalisierungszins von 5,0 Prozent liegt der Ertragswert höchstens beim 17-Fachen der Jahresmiete.
    • Je höher der Faktor über dieser Grenze, desto größer die Lücke zum Beleihungswert, die Sie mit Eigenkapital oder zusätzlichen Sicherheiten schließen müssen.

    Was liest die Bank aus dem Kaufpreisfaktor?

    Die Bank liest aus dem Kaufpreisfaktor, wie weit der Kaufpreis über dem Wert liegt, den sie selbst aus den Mieten errechnet. Bei einem Mehrfamilienhaus ist dieser Wert der Ertragswert, und er ist die Grundlage des Beleihungswerts. Ein hoher Faktor heißt für die Bank: Ein großer Teil des Kaufpreises ist durch die Mieten nicht gedeckt.

    Für Sie ist der Faktor eine Renditezahl, für die Bank eine Risikozahl. Beide Sichten beruhen auf derselben Rechnung, und wer sie vor dem Kauf durchgeht, weiß, wie viel Eigenkapital ein Angebot tatsächlich bindet, bevor die Bank es sagt.

    Kaufpreisfaktor und Mietrendite richtig rechnen

    Der Kaufpreisfaktor ist der Kaufpreis geteilt durch die Jahresnettokaltmiete. Die Bruttomietrendite ist die Jahresnettokaltmiete geteilt durch den Kaufpreis, mal 100. Beide Zahlen sagen dasselbe, nur von zwei Seiten: Ein Faktor von 20 entspricht einer Bruttorendite von 5,0 Prozent.

    Entscheidend ist, welche Miete Sie einsetzen. Die Bank rechnet mit der Ist-Miete aus den bestehenden Verträgen, ohne Nebenkosten, ohne Stellplatzmieten, die nicht nachhaltig sind, und ohne Mieten, die erst nach einer Erhöhung oder Sanierung kommen sollen. Ein Exposé, das den Faktor auf eine Sollmiete bezieht, zeigt deshalb ein besseres Bild als das, mit dem die Bank arbeitet.

    Kaufpreisfaktor15 Bruttomietrenditerund 6,7 Prozent Kaufpreis bei 50.000 Euro Jahresmiete750.000 Euro
    Kaufpreisfaktor18 Bruttomietrenditerund 5,6 Prozent Kaufpreis bei 50.000 Euro Jahresmiete900.000 Euro
    Kaufpreisfaktor20 Bruttomietrendite5,0 Prozent Kaufpreis bei 50.000 Euro Jahresmiete1.000.000 Euro
    Kaufpreisfaktor22 Bruttomietrenditerund 4,5 Prozent Kaufpreis bei 50.000 Euro Jahresmiete1.100.000 Euro
    Kaufpreisfaktor25 Bruttomietrendite4,0 Prozent Kaufpreis bei 50.000 Euro Jahresmiete1.250.000 Euro
    Kaufpreisfaktor28 Bruttomietrenditerund 3,6 Prozent Kaufpreis bei 50.000 Euro Jahresmiete1.400.000 Euro
    Kaufpreisfaktor30 Bruttomietrenditerund 3,3 Prozent Kaufpreis bei 50.000 Euro Jahresmiete1.500.000 Euro

    Reine Umrechnung: Bruttomietrendite gleich 100 geteilt durch den Faktor. Bewirtschaftungskosten und Kaufnebenkosten sind nicht berücksichtigt.

    Wie die Bank aus der Miete einen Wert macht

    Die Bank ermittelt den Ertragswert eines Mehrfamilienhauses nach der Beleihungswertermittlungsverordnung, im Kern nach § 9 BelWertV. Sie beginnt mit dem Rohertrag aus der Ist-Miete und zieht Bewirtschaftungskosten ab, nach § 11 BelWertV mindestens 15 Prozent des Rohertrags. Was bleibt, ist der Reinertrag.

    Den Reinertrag rechnet sie mit einem Kapitalisierungszins und der Restnutzungsdauer des Gebäudes in einen Wert um. Für den Kapitalisierungszins schreibt § 12 Abs. 4 BelWertV bei Wohnnutzung einen Mindestwert vor, der sich an der Rendite 30-jähriger Bundesanleihen orientiert und zwischen 3,5 und 5,5 Prozent liegt. Er ist ein Bewertungsparameter und hat mit dem Zins Ihres Darlehens nichts zu tun. Wie die Rechnung mit Bodenwert und Restnutzungsdauer vollständig aussieht, zeigt der Beitrag wie die Bank ein Mehrfamilienhaus bewertet.

    Die Obergrenze, die sich daraus ergibt

    Aus Bewirtschaftungskosten und Kapitalisierungszins ergibt sich eine einfache Obergrenze: Bei 15 Prozent Kosten und 5,0 Prozent Kapitalisierungszins liegt der Ertragswert höchstens beim 17-Fachen der Jahresmiete, bei 4,0 Prozent beim 21,25-Fachen. Das ist der Wert eines Hauses, das ewig hält. Weil jedes Gebäude eine begrenzte Restnutzungsdauer hat, liegt der tatsächliche Ertragswert darunter.

    Legt man diese Obergrenze neben den Kaufpreisfaktor, sieht man die Lücke, die mindestens bleibt. Die Tabelle ist eine vereinfachte Modellrechnung: ohne Bodenwert, ohne Restnutzungsdauer, ohne weitere Abschläge. Sie zeigt die Richtung, nicht den Beleihungswert eines bestimmten Hauses.

    Kaufpreisfaktor18 Obergrenze bei 5,0 Prozent17-fache Miete in Prozent des Kaufpreisesrund 94 Prozent Obergrenze bei 4,0 Prozent21,25-fache Miete in Prozent des Kaufpreisesüber 100 Prozent
    Kaufpreisfaktor22 Obergrenze bei 5,0 Prozent17-fache Miete in Prozent des Kaufpreisesrund 77 Prozent Obergrenze bei 4,0 Prozent21,25-fache Miete in Prozent des Kaufpreisesrund 97 Prozent
    Kaufpreisfaktor25 Obergrenze bei 5,0 Prozent17-fache Miete in Prozent des Kaufpreises68 Prozent Obergrenze bei 4,0 Prozent21,25-fache Miete in Prozent des Kaufpreises85 Prozent
    Kaufpreisfaktor28 Obergrenze bei 5,0 Prozent17-fache Miete in Prozent des Kaufpreisesrund 61 Prozent Obergrenze bei 4,0 Prozent21,25-fache Miete in Prozent des Kaufpreisesrund 76 Prozent

    Rechenweg: Reinertrag gleich 85 Prozent der Jahresmiete, geteilt durch den Kapitalisierungszins. Bei 5,0 Prozent ergibt das das 17-Fache, bei 4,0 Prozent das 21,25-Fache der Jahresmiete. Liegt die Obergrenze über dem Kaufpreis, begrenzt der Marktwert den Beleihungswert. Welchen Kapitalisierungszins eine Bank im Einzelfall ansetzt, hängt von Lage und Objekt ab.

    Was die Lücke für Ihre Finanzierung bedeutet

    Die Lücke zwischen Kaufpreis und Beleihungswert ist der Teil, den die Bank nicht erstrangig abgesichert sieht. Pfandbriefbanken dürfen Darlehen nur bis 60 Prozent des Beleihungswerts in die Deckung ihrer Pfandbriefe nehmen, so steht es in § 14 Pfandbriefgesetz. Was darüber liegt, refinanziert sie teurer und prüft strenger.

    Praktisch heißt das: Je höher der Faktor, desto mehr Eigenkapital oder zusätzliche Sicherheit verlangt die Bank, oder desto stärker muss das Haus sich aus den Mieten tragen. Wann eine Finanzierung trotzdem ohne Eigenkapital geht, erklärt der Beitrag zum Mehrfamilienhaus ohne Eigenkapital, wie die Tragfähigkeit gerechnet wird, der Beitrag Trägt sich das Mehrfamilienhaus aus den Mieten?.

    Brutto ist nicht netto: die Rendite für Sie

    Für Ihre eigene Rechnung zählt die Nettomietrendite, und die liegt deutlich unter der Bruttozahl aus dem Exposé. Sie ziehen von der Jahresmiete die Bewirtschaftungskosten ab und rechnen die Kaufnebenkosten zum Kaufpreis. Bei einem Faktor von 22, 15 Prozent Bewirtschaftung und 7 Prozent Nebenkosten ergibt sich statt rund 4,5 Prozent brutto eine Nettorendite von rund 3,6 Prozent, vor Finanzierung und Steuern.

    Diese Zahl ist die ehrlichere Vergleichsgröße, wenn Sie zwei Häuser nebeneinander legen. Die steuerliche Wirkung, etwa der Absetzung für Abnutzung, besprechen Sie bitte mit Ihrem Steuerberater.

    Fünf Fehler beim Rechnen mit dem Faktor

    Die meisten Missverständnisse zwischen Käufer und Bank entstehen nicht bei der Formel, sondern bei den Zahlen, die hineingehen. Diese fünf Fehler sehen wir am häufigsten:

    1. Faktor auf die Sollmiete statt auf die Ist-Miete aus den Verträgen.
    2. Warmmiete oder Nebenkostenvorauszahlungen in der Jahresmiete.
    3. Gewerbeeinheiten und Wohnungen in einem Faktor zusammengefasst, obwohl die Bank sie getrennt bewertet.
    4. Möblierte Mieten mit Zuschlägen, die bei einem Mieterwechsel nicht sicher sind.
    5. Den Faktor als Gütesiegel lesen: Ein sehr niedriger Faktor kann auf Leerstand, Sanierungsstau oder eine schwache Lage hinweisen.

    Den Faktor mit dem Markt vergleichen

    Ob ein Faktor zum Ort passt, zeigen die Marktberichte der Sparkassen, die für Wohnungen eine Mietrendite je Stadtteil ausweisen. Für unsere Region haben wir die Werte aufbereitet: für Koblenz, Neuwied und Andernach. Den Weg zur Finanzierung beschreibt die Seite Mehrfamilienhaus finanzieren. Wie viel Eigenkapital ein konkretes Angebot bindet, rechnen wir gern im Gespräch.

    Häufige Fragen

    Sie teilen den Kaufpreis durch die Jahresnettokaltmiete aller Einheiten. Ein Haus für 900.000 Euro mit 45.000 Euro Jahreskaltmiete hat den Faktor 20. Maßgeblich ist die Miete aus den bestehenden Verträgen, ohne Nebenkosten und ohne Mieten, die erst nach einer Erhöhung oder Sanierung erzielt werden sollen.

    Die Bruttomietrendite ist der Kehrwert des Faktors mal 100. Faktor 20 entspricht 5,0 Prozent, Faktor 25 entspricht 4,0 Prozent, Faktor 30 rund 3,3 Prozent. Die Nettomietrendite liegt darunter, weil sie Bewirtschaftungskosten und Kaufnebenkosten berücksichtigt.

    Einen festen Grenzwert gibt es nicht. Die Bank vergleicht den Kaufpreis mit dem Ertragswert, den sie nach der Beleihungswertermittlungsverordnung aus der Ist-Miete ermittelt. Je näher der Faktor an dem Vielfachen liegt, das sich aus Bewirtschaftungskosten und Kapitalisierungszins ergibt, desto kleiner ist die Lücke zum Beleihungswert und desto weniger Eigenkapital ist nötig.

    Nein. Der Kapitalisierungszins ist ein Bewertungsparameter, mit dem die Bank den Reinertrag in einen Wert umrechnet. Für Wohnnutzung schreibt § 12 Abs. 4 BelWertV einen Mindestwert vor, der sich an der Rendite 30-jähriger Bundesanleihen orientiert und zwischen 3,5 und 5,5 Prozent liegt. Mit dem Sollzins Ihres Darlehens hat er nichts zu tun.

    Weil ein niedriger Faktor oft einen Grund hat: eine schwache Lage, Sanierungsstau, Leerstand oder Mieten, die über dem Marktniveau liegen und bei einem Mieterwechsel nicht zu halten sind. Die Bank prüft deshalb neben dem Faktor auch Zustand, Lage und Nachhaltigkeit der Mieten.

    Quellen und Rechtsgrundlagen

    Die Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden Quellen. Gesetzestexte und Programmbedingungen ändern sich, prüfen Sie im Zweifel den dort veröffentlichten Stand.

    Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Rechtsstand ist der . Für steuerliche Fragen ziehen Sie bitte zusätzlich einen Steuerberater hinzu.

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