Mehrfamilienhaus ohne Eigenkapital finanzieren

    Ein Mehrfamilienhaus lässt sich ohne Eigenkapital finanzieren, aber nicht auf Zuruf. Die Bank schaut auf drei Dinge: ob das Haus seinen Kapitaldienst selbst trägt, wie stark Sie persönlich dastehen und ob Sie schon gezeigt haben, dass Sie vermieten können.

    Großes frisch saniertes Mehrfamilienhaus, frontal, Straßenfassade mit Balkonen, darunter die Überschrift „Mehrfamilienhaus: ohne Eigenkapital möglich“
    Enis Recica Immobiliar-Darlehensvermittler nach § 34i GewO, Reg.-Nr. D-IR9N-6D2DR-51 Zuletzt geprüft am 9 Minuten Lesezeit

    Kurz gefasst

    • Ein Mehrfamilienhaus lässt sich ohne Eigenkapital finanzieren, wenn das Haus seinen Kapitaldienst nach Bewirtschaftung aus den Mieten trägt, Ihre persönliche Bonität stimmt und Sie Erfahrung als Vermieter nachweisen.
    • Ohne Eigenkapital finanziert die Bank auch die Kaufnebenkosten mit, in Rheinland-Pfalz allein 5,0 Prozent Grunderwerbsteuer nach § 11 GrEStG in Verbindung mit dem Landesgesetz, und liegt damit deutlich über dem Beleihungswert.
    • Eine Grundschuld auf einer weiteren Immobilie kann eine Lücke schließen, sie ist aber der ergänzende Weg und nicht die Voraussetzung.

    Geht ein Mehrfamilienhaus ohne Eigenkapital?

    Ja, ein Mehrfamilienhaus lässt sich ohne Eigenkapital finanzieren, und zwar unter drei Voraussetzungen: Das Haus trägt seinen Kapitaldienst nach Bewirtschaftung aus den Mieten, Ihre persönliche Bonität stimmt, und Sie haben als Vermieter schon gezeigt, dass Sie einen Bestand führen können. Treffen alle drei zu, ist die Finanzierung ohne Eigenkapital keine Ausnahme, sondern eine Frage der passenden Bank.

    Der Unterschied zur selbst genutzten Immobilie liegt in der Logik der Prüfung. Bei einem Einfamilienhaus zahlt Ihr Gehalt die Rate. Bei einem Mehrfamilienhaus zahlen die Mieter sie, und die Bank fragt deshalb zuerst, ob das Haus sich trägt, und erst danach, wie viel Sie selbst mitbringen. Eigenkapital ist in dieser Rechnung ein Puffer, nicht der Kern.

    Was ohne Eigenkapital eigentlich finanziert wird

    Ohne Eigenkapital finanziert die Bank nicht nur den Kaufpreis, sondern meist auch die Kaufnebenkosten. In Rheinland-Pfalz beträgt die Grunderwerbsteuer 5,0 Prozent nach § 11 GrEStG in Verbindung mit dem Landesgesetz, dazu kommen Notar und Grundbuch und gegebenenfalls ein Makler. Wie sich die Posten zusammensetzen, steht im Beitrag zu den Kaufnebenkosten.

    Gleichzeitig rechnet die Bank nicht mit dem Kaufpreis, sondern mit dem Beleihungswert. Bei einem Mehrfamilienhaus ist das der Ertragswert aus der tatsächlich vereinbarten Miete, und er liegt fast immer unter dem Kaufpreis. Die Modellrechnung zeigt, wie weit Darlehen und Beleihungswert dadurch auseinanderliegen. Sie ist ausdrücklich eine Modellrechnung mit frei gewählten Annahmen und keine Zusage.

    PostenKaufpreis Mehrfamilienhaus, sechs Wohnungen Modellwert900.000 Euro
    PostenGrunderwerbsteuer, 5,0 Prozent Modellwert45.000 Euro
    PostenNotar und Grundbuch, angenommen 2,0 Prozent Modellwert18.000 Euro
    PostenGesamtkosten ohne Makler Modellwert963.000 Euro
    PostenDarlehen ohne Eigenkapital Modellwert963.000 Euro
    PostenAngenommener Beleihungswert, 80 Prozent des Kaufpreises Modellwert720.000 Euro
    PostenDarlehen im Verhältnis zum Beleihungswert Modellwertrund 134 Prozent

    Der Abschlag von 20 Prozent auf den Kaufpreis ist eine Annahme für das Modell. Wie die Bank den Beleihungswert eines Mehrfamilienhauses tatsächlich ermittelt, erklärt der Beitrag, wie die Bank ein Mehrfamilienhaus bewertet. Die Monatsrate fehlt bewusst, sie hängt vom Zinssatz am Tag des Angebots ab.

    Warum die Lücke zum Beleihungswert zählt

    Die Lücke zwischen Darlehen und Beleihungswert ist der Teil, für den die Bank keine erstrangige Sicherheit im engeren Sinn hat. Pfandbriefbanken dürfen Darlehen nur bis zu 60 Prozent des Beleihungswerts in die Deckung ihrer Pfandbriefe nehmen, so steht es in § 14 Pfandbriefgesetz. Alles darüber refinanziert die Bank teurer und rechnet ein höheres Risiko ein.

    Das erklärt, warum ohne Eigenkapital nicht jede Bank mitgeht und warum der Aufschlag für den hohen Auslauf spürbar ist. Wie der Auslauf sich zusammensetzt, steht im Beitrag zum Beleihungsauslauf. Für das Mehrfamilienhaus heißt das: Je kleiner die Lücke, desto größer die Auswahl an Banken. Ein Kaufpreis, der nah am Ertragswert liegt, ist deshalb die beste Vorbereitung für eine Finanzierung ohne Eigenkapital.

    Erste Voraussetzung: Das Haus trägt den Kapitaldienst selbst

    Die wichtigste Frage der Bank lautet: Reichen die Mieten nach Bewirtschaftung für Zins und Tilgung? Ausgangspunkt ist die Nettokaltmiete laut Mieterliste. Davon zieht die Bank Verwaltung, nicht umlegbare Betriebskosten, Instandhaltung und ein Mietausfallwagnis ab. In der Bewertung schreibt § 11 BelWertV dafür mindestens 15 Prozent des Rohertrags vor, in der Tragfähigkeitsrechnung setzen viele Banken eigene Abschläge an.

    Was danach übrig bleibt, muss den vollen Kapitaldienst decken, und zwar mit Puffer. Viele Banken rechnen zusätzlich mit einem Stresszins, den sie selbst festlegen, um zu sehen, ob das Haus auch nach dem Ende der Zinsbindung noch trägt. Wie diese Rechnung im Einzelnen aufgebaut ist, zeigt der Beitrag Trägt sich das Mehrfamilienhaus aus den Mieten?, welche Mieten überhaupt zählen, der Beitrag welche Mieteinnahmen die Bank anrechnet.

    Ohne Eigenkapital ist dieser Punkt härter als sonst. Das Darlehen ist größer, also ist der Kapitaldienst größer, und die Mieten müssen mehr tragen. Ein Haus mit Mieten deutlich unter dem Marktniveau kann trotzdem gut sein, aber die Bank rechnet mit dem, was heute im Vertrag steht.

    Zweite Voraussetzung: Ihre persönliche Bonität

    Ihre persönliche Bonität ist das Sicherheitsnetz der Bank, falls das Haus einmal nicht trägt. Kaufen Sie als Privatperson, haften Sie mit Ihrem gesamten Vermögen. Bei einem Verbraucherdarlehen muss die Bank Ihre Kreditwürdigkeit nach § 18a KWG prüfen, und bei einem Mehrfamilienhaus schaut sie dabei besonders genau hin.

    Geprüft werden Einkommen und dessen Stabilität, die Schufa, bestehende Darlehen und Ihr Vermögen. Eine Vermögensaufstellung mit Bestandsimmobilien, Restschulden, Wertpapieren und Guthaben gehört deshalb in jede Anfrage. Gerade ohne Eigenkapital zählt die Liquiditätsreserve: Wer zeigen kann, dass eine Heizung oder ein Mietausfall nicht sofort zum Problem wird, überzeugt eher.

    Dritte Voraussetzung: Erfahrung als Vermieter

    Erfahrung als Vermieter spielt eine wichtige Rolle, weil die Bank bei einem Mehrfamilienhaus auf Jahre von der Vermietung abhängt. Banken sprechen vom Track Record: Wer schon Wohnungen oder ein kleineres Haus über mehrere Jahre vermietet hat, kann das belegen.

    Belegt wird das über die Steuerbescheide mit Anlage V, laufende Mietverträge, Kontoauszüge mit Mieteingängen und eine Übersicht des Bestands mit Restschulden. Wer sein erstes Mehrfamilienhaus kauft, hat diesen Nachweis noch nicht. Eine professionelle Hausverwaltung hilft dann ein Stück weit, ersetzt den Nachweis aber nicht ganz, und Banken verlangen in diesem Fall häufiger Eigenkapital oder eine zusätzliche Sicherheit.

    Wenn eine Voraussetzung wackelt: zusätzliche Sicherheiten

    Eine Grundschuld auf einer weiteren Immobilie kann eine Lücke schließen, sie ist aber der ergänzende Weg und nicht die Voraussetzung. Haben Sie ein schuldenfreies oder weitgehend getilgtes Objekt, kann die Bank dort eine zusätzliche Grundschuld eintragen und so den Teil absichern, den der Beleihungswert des neuen Hauses nicht deckt.

    Sinnvoll ist das vor allem dann, wenn das neue Haus sich trägt, aber der Kaufpreis deutlich über dem Ertragswert liegt. Fehlt dagegen die Tragfähigkeit, hilft auch eine zweite Grundschuld wenig, denn die Bank will nicht verwerten, sondern bezahlt werden. Wie Banken mehrere Objekte zusammen sehen, steht im Beitrag wann die Bank Ihre Immobilien als Portfolio bewertet.

    Was die Bank am Objekt sehen will

    Ohne Eigenkapital entscheidet die Qualität der Unterlagen mit. Eine vollständige Objektakte beim ersten Kontakt zeigt der Bank, dass Sie das Haus kennen, und spart Wochen an Nachfragen. Diese Unterlagen gehören hinein:

    1. Mieterliste mit Wohnung, Fläche, Nettokaltmiete, Mietbeginn und letzter Erhöhung.
    2. Kopien aller Mietverträge, bei Staffel- oder Indexmiete mit den Vereinbarungen.
    3. Aktueller Grundbuchauszug, Flurkarte und Wohnflächenberechnung.
    4. Energieausweis, Baujahr und eine Aufstellung der Modernisierungen mit Jahr.
    5. Die letzte Betriebskostenabrechnung, damit die Bank umlegbare und nicht umlegbare Kosten trennen kann.
    6. Fotos von Fassade, Dach, Treppenhaus, Heizung und mindestens einer Wohnung.

    Wann aus der Anfrage ein gewerblicher Fall wird

    Ab einer bestimmten Größe prüft die Bank das Mehrfamilienhaus nicht mehr in der Baufinanzierung, sondern in der gewerblichen Immobilienfinanzierung. Dann zählt die Tragfähigkeit des Hauses noch stärker, und das Eigenkapital wird anders gewichtet. Wo diese Schwelle liegt, legt jede Bank selbst fest. Der Beitrag ab wann ein Mehrfamilienhaus gewerblich finanziert wird erklärt die Auslöser.

    So gehen Sie vor

    Rechnen Sie zuerst das Haus, dann sich selbst. Legen Sie die Mieterliste neben den Kaufpreis und prüfen Sie, ob die Mieten nach Bewirtschaftung den Kapitaldienst tragen. Stellen Sie danach Ihre Vermögensaufstellung und Ihren Bestand zusammen. Erst dann lohnt die Frage, welche Bank das Paket ohne Eigenkapital nimmt.

    Was eine Finanzierung für Ihr Haus konkret kostet und welche Banken für Ihren Fall in Frage kommen, klären wir im Gespräch. Den Überblick über Ablauf und Unterlagen finden Sie auf der Seite Mehrfamilienhaus finanzieren. Wer für eine selbst genutzte Immobilie ohne Eigenkapital plant, findet die Grundlagen im Beitrag zur Baufinanzierung ohne Eigenkapital.

    Häufige Fragen

    Ja, unter Voraussetzungen. Das Haus muss seinen Kapitaldienst nach Abzug der Bewirtschaftungskosten aus den tatsächlichen Mieten tragen, Ihre persönliche Bonität muss stimmen, und Erfahrung als Vermieter spielt eine wichtige Rolle. Treffen alle drei Punkte zu, ist eine Finanzierung ohne Eigenkapital kein Sonderfall, sondern eine Frage der Bankauswahl.

    Das ist der Unterschied zwischen 100 und 110 Prozent. Bei 100 Prozent zahlt die Bank den Kaufpreis, Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch zahlen Sie. Bei rund 110 Prozent finanziert sie auch diese Kosten. In Rheinland-Pfalz beträgt allein die Grunderwerbsteuer 5,0 Prozent des Kaufpreises. Je mehr Nebenkosten im Darlehen stecken, desto stärker müssen Objekt und Bonität sein.

    Weil die Bank bei einem Mehrfamilienhaus auf Jahre von der Vermietung abhängt. Wer schon Wohnungen vermietet, kann über Steuerbescheide, Mietverträge und Kontoauszüge zeigen, dass Mieten pünktlich eingehen, Leerstand kurz bleibt und Instandhaltung bezahlt wird. Beim ersten Mehrfamilienhaus fehlt dieser Nachweis, dann verlangen Banken häufiger Eigenkapital oder eine zusätzliche Sicherheit.

    Nicht zwingend. Eine Grundschuld auf einer weiteren, möglichst schuldenfreien Immobilie kann fehlendes Eigenkapital ersetzen und ist ein bewährter ergänzender Weg. Die Voraussetzung für eine Finanzierung ohne Eigenkapital ist sie aber nicht. Entscheidend bleibt, ob das Haus sich aus den Mieten trägt und ob Sie persönlich überzeugen.

    Zum Objekt die Mieterliste mit Ist-Mieten, die Mietverträge, Grundbuchauszug, Flurkarte, Wohnflächenberechnung, Energieausweis, Fotos und eine Aufstellung der letzten Instandhaltungen. Zu Ihnen Einkommensnachweise, die letzten Steuerbescheide mit Anlage V, eine Vermögensaufstellung und eine Übersicht aller bestehenden Darlehen. Je vollständiger das Paket, desto schneller die Entscheidung.

    Quellen und Rechtsgrundlagen

    Die Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden Quellen. Gesetzestexte und Programmbedingungen ändern sich, prüfen Sie im Zweifel den dort veröffentlichten Stand.

    Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Rechtsstand ist der . Für steuerliche Fragen ziehen Sie bitte zusätzlich einen Steuerberater hinzu.

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