Mehrfamilienhaus über eine GmbH kaufen und finanzieren

    Kauft eine GmbH das Mehrfamilienhaus, ist sie der Darlehensnehmer, aber geprüft werden Sie trotzdem. Bei einer neuen Gesellschaft ohne Bilanzen stützt sich die Bank fast ganz auf die Gesellschafter, und das Verbraucherkreditrecht gilt nicht mehr.

    Zwei kleine vermietete Mehrfamilienhäuser nebeneinander, darunter die Überschrift „Mehrfamilienhaus über eine GmbH“
    Enis Recica Immobiliar-Darlehensvermittler nach § 34i GewO, Reg.-Nr. D-IR9N-6D2DR-51 Zuletzt geprüft am 9 Minuten Lesezeit

    Kurz gefasst

    • Kauft eine GmbH ein Mehrfamilienhaus, ist sie Darlehensnehmer; bei einer neuen Gesellschaft ohne Bilanzen prüft die Bank vor allem die Gesellschafter und verlangt in aller Regel eine selbstschuldnerische Bürgschaft.
    • Weil eine GmbH kein Verbraucher ist, gelten die Schutzvorschriften für Verbraucherdarlehen nach § 491 BGB nicht, etwa das Widerrufsrecht und die gesetzliche Kreditwürdigkeitsprüfung nach § 18a KWG.
    • Steuerlich unterscheidet sich die GmbH deutlich vom Privatkauf, von der Körperschaftsteuer, die nach § 23 KStG ab 2028 schrittweise sinkt, bis zur Zehnjahresfrist für private Veräußerungen; die Entscheidung gehört vorab zum Steuerberater.

    Kann eine GmbH ein Mehrfamilienhaus kaufen und finanzieren?

    Ja, eine GmbH kann ein Mehrfamilienhaus kaufen und dafür ein Darlehen aufnehmen. Sie steht dann als Eigentümerin im Grundbuch, schließt den Darlehensvertrag und bestellt die Grundschuld. Geprüft werden trotzdem auch die Menschen dahinter, und bei einer neuen Gesellschaft ohne Bilanzen fast ausschließlich sie.

    Der Grund ist einfach: Die Bank braucht jemanden, dessen Zahlungsfähigkeit sie beurteilen kann. Eine frisch gegründete GmbH hat außer ihrem Stammkapital nichts vorzuweisen. Deshalb verlangen Banken in diesem Fall in aller Regel eine Bürgschaft der Gesellschafter und prüfen deren Einkommen und Vermögen so, als würden sie selbst kaufen.

    Was sich gegenüber dem Privatkauf ändert

    Mit der GmbH als Käuferin ändert sich weniger an der Rechnung als an den Regeln. Das Haus muss sich genauso aus den Mieten tragen, die Bank bewertet es genauso nach dem Ertragswert. Aber Darlehensvertrag, Schutzrechte und Unterlagen folgen anderen Vorschriften:

    PunktDarlehensnehmer Kauf als PrivatpersonSie persönlich Kauf über eine GmbHDie Gesellschaft
    PunktVerbraucherdarlehensrecht Kauf als Privatpersongilt, mit Widerrufsrecht und Pflichtinformationen Kauf über eine GmbHgilt nicht, die GmbH ist kein Verbraucher
    PunktGesetzliche Kreditwürdigkeitsprüfung nach § 18a KWG Kauf als Privatpersonja Kauf über eine GmbHnein, die Bank prüft nach eigener Kreditrichtlinie
    PunktPersönliche Haftung Kauf als Privatpersonmit dem gesamten Vermögen Kauf über eine GmbHüber eine Bürgschaft, die die Bank fast immer verlangt
    PunktZuständige Abteilung der Bank Kauf als PrivatpersonBaufinanzierung, bei großen Häusern gewerblich Kauf über eine GmbHmeist Firmenkunden oder gewerbliche Immobilienfinanzierung
    PunktZusätzliche Unterlagen Kauf als Privatpersonkeine Kauf über eine GmbHHandelsregister, Gesellschaftsvertrag, Gesellschafterliste, wirtschaftlich Berechtigte, Jahresabschlüsse

    Verbraucher im Sinne von § 491 BGB ist nur eine natürliche Person. Wie Banken entscheiden, wann ein Mehrfamilienhaus auch bei Privatkäufern in die gewerbliche Abteilung wechselt, erklärt der Beitrag zur gewerblichen Finanzierung von Mehrfamilienhäusern.

    Ohne Verbraucherschutz: was das im Vertrag bedeutet

    Weil die GmbH kein Verbraucher ist, fallen die besonderen Schutzvorschriften für Verbraucherdarlehen weg, die mit § 491 BGB beginnen. Es gibt kein gesetzliches Widerrufsrecht für den Darlehensvertrag, keine vorvertraglichen Pflichtinformationen in der Form wie für Verbraucher, und die Verbraucherregeln zur Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung nach § 502 BGB greifen nicht.

    Das macht den Vertrag nicht schlechter, aber verhandelbarer, und es verlagert Verantwortung auf Sie. Klauseln zu Sondertilgung, zu Kündigungsrechten der Bank, zu Auflagen wie einer Mindestkapitaldienstdeckung und zur Vorfälligkeit sollten Sie vor der Unterschrift genau lesen. Wie die Vorfälligkeitsentschädigung grundsätzlich funktioniert, steht im Beitrag zur Vorfälligkeitsentschädigung.

    Neue GmbH: die Bank prüft die Gesellschafter

    Bei einer neu gegründeten GmbH stützt sich die Bank auf die Gesellschafter und verlangt in aller Regel ihre selbstschuldnerische Bürgschaft. Bei dieser Form kann die Bank nach § 773 BGB direkt auf den Bürgen zugreifen, ohne zuerst gegen die GmbH vorzugehen. Die Haftungsbegrenzung der GmbH gilt gegenüber der finanzierenden Bank damit praktisch nicht.

    Auch das Eigenkapital kommt in diesem Fall von den Gesellschaftern. Das Stammkapital beträgt nach § 5 GmbHG mindestens 25.000 Euro und reicht bei einem Mehrfamilienhaus kaum für die Nebenkosten. Was darüber hinaus nötig ist, bringen die Gesellschafter als Kapitalrücklage oder als Gesellschafterdarlehen ein. Ein Gesellschafterdarlehen erkennt die Bank meist nur dann wie Eigenkapital an, wenn es im Rang hinter ihrem Darlehen steht.

    Wer als geschäftsführender Gesellschafter zugleich privat finanziert, kennt die Prüfung von der anderen Seite: Die Bank liest dann die Bilanz der GmbH, um das Einkommen des Gesellschafters zu beurteilen. Das erklärt der Beitrag zur Finanzierung für geschäftsführende Gesellschafter.

    Bestehende GmbH: die Zahlen der Gesellschaft zählen

    Hat die GmbH schon Immobilien im Bestand, rückt die Gesellschaft selbst in den Mittelpunkt. Die Bank liest die Jahresabschlüsse, prüft, ob der Bestand seinen Kapitaldienst trägt, und rechnet das neue Haus dazu. Eine Gesellschaft mit mehreren Jahren sauberer Vermietung bringt genau den Erfahrungsnachweis mit, den Banken bei Mehrfamilienhäusern schätzen.

    Je stärker die Gesellschaft dasteht, desto eher lässt sich über den Umfang einer Bürgschaft verhandeln. Wie Banken mehrere Objekte zusammen betrachten, zeigt der Beitrag wann die Bank Ihre Immobilien als Portfolio bewertet, wie sie prüft, ob ein Haus sich trägt, der Beitrag Trägt sich das Mehrfamilienhaus aus den Mieten?.

    Steuern: einordnen, nicht entscheiden

    Die steuerliche Seite ist meist der eigentliche Grund für eine GmbH, und sie gehört vor der Gründung zum Steuerberater. Für die Finanzierung reicht es, die Unterschiede zu kennen, weil sie bestimmen, wie viel Geld nach Steuern für Zins und Tilgung übrig bleibt.

    Laufende Gewinne versteuert die GmbH mit Körperschaftsteuer. Nach § 23 KStG beträgt sie bis 2027 15 Prozent und sinkt danach jährlich bis auf 10 Prozent ab 2032. Eine Gesellschaft, die ausschließlich eigenen Grundbesitz verwaltet, kann bei der Gewerbesteuer die erweiterte Kürzung nach § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG beantragen. Dafür werden Ausschüttungen beim Gesellschafter noch einmal besteuert, und die Zehnjahresfrist für steuerfreie private Veräußerungen nach § 23 EStG gilt für die GmbH nicht.

    Wer ein Haus, das er schon privat besitzt, in eine GmbH überträgt, löst in der Regel erneut Grunderwerbsteuer aus und muss die eigene Zehnjahresfrist im Blick haben. Ob und wie sich die GmbH für Sie rechnet, besprechen Sie bitte vorab mit Ihrem Steuerberater.

    Welche Unterlagen die Bank von einer GmbH braucht

    Zu den üblichen Objektunterlagen, Mieterliste, Mietverträgen, Grundbuch, Energieausweis und Fotos, kommen bei einer GmbH die Unterlagen zur Gesellschaft und, wegen der Bürgschaft, zu den Gesellschaftern:

    1. Aktueller Handelsregisterauszug und Gesellschaftsvertrag.
    2. Gesellschafterliste und Angaben zu den wirtschaftlich Berechtigten.
    3. Bei einer bestehenden GmbH die Jahresabschlüsse der letzten Jahre und eine aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung.
    4. Eine Übersicht des Immobilienbestands der Gesellschaft mit Mieten und Restschulden.
    5. Für jeden bürgenden Gesellschafter Einkommensnachweise, Steuerbescheide und eine Vermögensaufstellung.
    6. Bei einer Neugründung den Nachweis, wie das Eigenkapital in die Gesellschaft kommt.

    Wie es weitergeht

    Klären Sie zuerst mit dem Steuerberater, ob die GmbH für Sie der richtige Rahmen ist, und erst danach die Finanzierung. Wird die Gesellschaft gegründet, lohnt es, die Bankunterlagen von Anfang an sauber zu führen: Ein ordentlich aufgestellter erster Jahresabschluss erleichtert jede weitere Finanzierung.

    Ab welcher Größe Banken ohnehin gewerblich prüfen, erklärt der Beitrag ab wann ein Mehrfamilienhaus gewerblich finanziert wird. Den Ablauf der Finanzierung beschreibt die Seite Mehrfamilienhaus finanzieren. Welche Banken eine GmbH in Ihrer Konstellation finanzieren, besprechen wir im Gespräch.

    Häufige Fragen

    Ja. Die GmbH ist dann Käuferin und Darlehensnehmerin, die Bank sichert sich über eine Grundschuld auf dem Haus ab. Bei einer neu gegründeten Gesellschaft ohne Jahresabschlüsse stützt sich die Bank vor allem auf die Gesellschafter und verlangt in aller Regel deren selbstschuldnerische Bürgschaft.

    Gegenüber der Bank meistens doch. Die GmbH haftet mit ihrem Vermögen, aber die Bank lässt sich bei einer jungen Gesellschaft fast immer eine Bürgschaft der Gesellschafter geben. Bei einer selbstschuldnerischen Bürgschaft nach § 773 BGB kann die Bank Sie direkt in Anspruch nehmen, ohne zuerst gegen die GmbH vorzugehen.

    Handelsregisterauszug, Gesellschaftsvertrag, Gesellschafterliste und Angaben zu den wirtschaftlich Berechtigten, bei einer bestehenden Gesellschaft die Jahresabschlüsse der letzten zwei bis drei Jahre und eine aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung. Dazu kommen die üblichen Objektunterlagen und, bei einer Bürgschaft, die Einkommens- und Vermögensnachweise der Gesellschafter.

    Selten. Das Stammkapital beträgt nach § 5 GmbHG mindestens 25.000 Euro und deckt bei einem Mehrfamilienhaus kaum die Nebenkosten. Was die Bank als Eigenkapital ansieht, bringen die Gesellschafter meist zusätzlich ein, etwa als Kapitalrücklage oder als Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt.

    Das hängt vom Einzelfall ab. Laufende Gewinne versteuert die GmbH mit Körperschaftsteuer, und reine Grundstücksverwaltung kann die erweiterte Kürzung bei der Gewerbesteuer nutzen. Dafür gilt die Zehnjahresfrist für steuerfreie private Veräußerungen nicht, und Ausschüttungen werden beim Gesellschafter noch einmal besteuert. Ob sich das für Sie rechnet, klären Sie bitte vor der Gründung mit Ihrem Steuerberater.

    Quellen und Rechtsgrundlagen

    Die Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden Quellen. Gesetzestexte und Programmbedingungen ändern sich, prüfen Sie im Zweifel den dort veröffentlichten Stand.

    Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Rechtsstand ist der . Für steuerliche Fragen ziehen Sie bitte zusätzlich einen Steuerberater hinzu.

    Bereit für Ihre stressfreie Finanzierung?

    Lassen Sie sich kostenlos beraten und finden Sie heraus, wie wir Sie Schritt für Schritt zu Ihrer Traumimmobilie begleiten.

    Kostenlose Erstberatung
    Persönlicher Ansprechpartner
    In der Regel Zusage in 5 bis 7 Tagen
    Steuerliche Tipps inklusive
    Begleitung bis zum Notartermin
    ✓ 100% kostenlos · ✓ Keine Verpflichtungen · ✓ Antwort innerhalb von 24h