Bonität und Zinsaufschlag: warum zwei Käufer verschiedene Zinsen bekommen

    Zwei Käufer interessieren sich für dieselbe Wohnung, gehen zur selben Bank und bekommen verschiedene Angebote. Der Grund liegt nicht im Objekt, sondern in der Einschätzung der Bank, wie wahrscheinlich ein Ausfall ist und wie viel sie dann verlieren würde. Wie dieser Aufschlag entsteht, welche Merkmale ihn treiben und an welchen Stellen Sie selbst ansetzen können.

    Hände halten einen Brief der Bank am Küchentisch, darunter die Überschrift „Bonität und Zinsaufschlag“
    Enis Recica Immobiliar-Darlehensvermittler nach § 34i GewO, Reg.-Nr. D-IR9N-6D2DR-51 Zuletzt geprüft am 9 Minuten Lesezeit

    Kurz gefasst

    • Zwei Käufer bekommen beim selben Objekt verschiedene Zinsen, weil die Bank für jeden Antrag das Ausfallrisiko einschätzt und einpreist. Entscheidend sind die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls und der Verlust, der dann bliebe.
    • Die Bonität bestimmt vor allem die Ausfallwahrscheinlichkeit: Einkommen und seine Stabilität, Haushaltsüberschuss, bestehende Kredite und die Schufa. Der Beleihungsauslauf bestimmt den möglichen Verlust.
    • Ein Teil davon lässt sich vor der Anfrage beeinflussen, etwa durch abgelöste Konsumkredite, mehr Eigenkapital oder korrigierte Schufa-Einträge. Konkrete Konditionen ergeben sich erst aus der Prüfung im Einzelfall.

    Warum zwei Käufer beim selben Objekt verschiedene Zinsen bekommen

    Zwei Käufer bekommen beim selben Objekt verschiedene Zinsen, weil die Bank jeden Antrag einzeln auf sein Ausfallrisiko einstuft und dieses Risiko in den Preis einrechnet. Das Objekt ist dasselbe, die Refinanzierung der Bank auch. Verschieden sind die Menschen, die das Darlehen zurückzahlen sollen, und der Teil des Kaufpreises, den sie über einen Kredit finanzieren.

    Der Bauzins besteht aus mehreren Teilen. Den Sockel bilden die Kosten, zu denen sich die Bank selbst Geld beschafft, etwa über Pfandbriefe. Woraus dieser Sockel entsteht, erklärt der Beitrag Woraus Ihr Bauzins entsteht. Auf den Sockel kommen Aufschläge, und einer davon hängt direkt an Ihnen: der Aufschlag für das Risiko, das die Bank mit Ihrem Darlehen eingeht.

    Aus welchen Teilen der Zins einer Bank besteht

    Der Zins einer Bank setzt sich aus Refinanzierung, Risikokosten, Eigenkapitalkosten, Betriebskosten und Marge zusammen. Nur zwei dieser Teile unterscheiden sich von Käufer zu Käufer, und beide hängen am Risiko.

    BestandteilRefinanzierung Was er abdecktWas die Bank selbst für das Geld zahlt, abhängig von Zinsbindung und Kapitalmarkt Hängt von Ihnen ab?Nein, nur über die gewählte Zinsbindung
    BestandteilRisikokosten Was er abdecktErwarteter Verlust aus Ausfällen, verteilt auf alle Darlehen einer Risikoklasse Hängt von Ihnen ab?Ja, über Bonität und Beleihungsauslauf
    BestandteilEigenkapitalkosten Was er abdecktEigenkapital, das die Bank für Ihr Darlehen nach Aufsichtsrecht vorhalten muss Hängt von Ihnen ab?Ja, über Bonität und Beleihungsauslauf
    BestandteilBetriebskosten Was er abdecktBearbeitung, Prüfung, Verwaltung Hängt von Ihnen ab?Kaum
    BestandteilMarge Was er abdecktGewinn der Bank, abhängig von Wettbewerb und Geschäftspolitik Hängt von Ihnen ab?Nein, aber verschieden je Bank

    Wie die Bank Ihr Ausfallrisiko einschätzt

    Die Bank schätzt Ihr Risiko über zwei Größen: wie wahrscheinlich es ist, dass das Darlehen nicht mehr bedient wird, und wie viel sie in diesem Fall verlieren würde. Banken sprechen von Ausfallwahrscheinlichkeit und Verlustquote. Die erste hängt an Ihnen als Person, die zweite vor allem am Verhältnis von Darlehen zu Immobilienwert.

    Diese Einstufung ist keine freie Entscheidung der Bank. Nach § 505b Abs. 2 BGB und § 18a KWG muss sie vor einem Immobiliar-Verbraucherdarlehen gründlich prüfen, ob Sie das Darlehen voraussichtlich vertragsgemäß zurückzahlen können. Das Ergebnis dieser Prüfung entscheidet zuerst, ob sie überhaupt finanziert, und danach, zu welchem Preis.

    Größere Banken nutzen dafür eigene Ratingverfahren, die sie nach der europäischen Eigenmittelverordnung (CRR) von der Aufsicht genehmigen lassen. Aus Ausfallwahrscheinlichkeit und Verlustquote berechnet sich dann, wie viel Eigenkapital die Bank für Ihr Darlehen vorhalten muss. Je riskanter die Einstufung, desto mehr Eigenkapital ist gebunden, und dieses Eigenkapital kostet die Bank Geld, das sie über den Zins weitergibt.

    Welche Merkmale Ihre Bonität bestimmen

    Ihre Bonität bestimmen vor allem Einkommen, seine Stabilität, der Überschuss nach allen Ausgaben und Ihre bisherige Zahlungshistorie. Die Bank sieht nicht nur, wie viel Sie verdienen, sondern wie sicher dieses Einkommen in den nächsten Jahren fließt. Was sie im Einzelnen prüft und welche Nachweise sie dafür verlangt, beschreibt der Beitrag Was prüfen Banken an meiner Person.

    MerkmalArt der Beschäftigung Was die Bank daran liestUnbefristet angestellt, verbeamtet, selbstständig, in Probezeit: wie sicher das Einkommen ist
    MerkmalHöhe und Verlauf des Einkommens Was die Bank daran liestOb die Rate dauerhaft tragbar ist, auch bei steigenden Kosten
    MerkmalHaushaltsüberschuss Was die Bank daran liestWie viel nach Rate, Lebenshaltung und bestehenden Verpflichtungen übrig bleibt
    MerkmalBestehende Kredite Was die Bank daran liestRatenkredite, Leasing, Dispo: Belastung und Zahlungsverhalten
    MerkmalSchufa und andere Auskünfte Was die Bank daran liestZahlungshistorie, Zahl der Kreditverträge, Negativeinträge
    MerkmalVermögen und Rücklagen Was die Bank daran liestPuffer für Reparaturen, Einkommenslücken und Zinsanstieg nach der Zinsbindung

    Der Beleihungsauslauf: das zweite Risiko

    Der Beleihungsauslauf bestimmt, wie viel die Bank im Ernstfall verlieren könnte, und wirkt deshalb unabhängig von Ihrer Bonität auf den Zins. Er gibt an, welchen Anteil des Beleihungswerts das Darlehen ausmacht. Muss die Bank die Immobilie verwerten, deckt der Erlös ein niedriges Darlehen fast sicher, ein hohes womöglich nicht.

    Banken staffeln ihre Konditionen deshalb nach dem Beleihungsauslauf. Wer mehr Eigenkapital einbringt, rutscht in eine günstigere Stufe, auch wenn sich an der Person nichts ändert. Wie der Wert berechnet wird und wo die Stufen typischerweise liegen, erklärt der Beitrag Beleihungsauslauf.

    Zwei Käufer, eine Wohnung: das Prinzip im Vergleich

    Die folgende Gegenüberstellung zeigt das Prinzip an einem Modellfall. Beide Käufer interessieren sich für dieselbe Wohnung und fragen bei derselben Bank an. Die Angaben sind Annahmen für das Beispiel und keine Zusage. Eine konkrete Kondition ergibt sich erst aus der Prüfung im Einzelfall.

    MerkmalBeschäftigung Käufer AUnbefristet angestellt, seit Jahren im Betrieb Käufer BNeue Stelle, noch in der Probezeit Wirkung auf den AufschlagB wird vorsichtiger eingestuft
    MerkmalBestehende Kredite Käufer AKeine Käufer BRatenkredit für ein Auto, Dispo regelmäßig genutzt Wirkung auf den AufschlagHöhere Belastung, geringerer Überschuss bei B
    MerkmalSchufa Käufer AUnauffällig Käufer BUnauffällig Wirkung auf den AufschlagKein Unterschied
    MerkmalEigene Mittel Käufer AKaufnebenkosten und ein Teil des Kaufpreises Käufer BNur die Kaufnebenkosten Wirkung auf den AufschlagHöherer Beleihungsauslauf bei B
    MerkmalErgebnis Käufer AGünstigere Risikoklasse und Auslaufstufe Käufer BUngünstigere Risikoklasse und Auslaufstufe Wirkung auf den AufschlagB zahlt einen höheren Aufschlag

    Käufer B kann an zwei Stellen selbst ansetzen: den Ratenkredit vor der Anfrage ablösen und die Anfrage nach dem Ende der Probezeit stellen. Beides verändert seine Einstufung, ohne dass sich am Objekt etwas ändert.

    Die Schufa und Ihre Rechte

    Die Schufa ist ein Baustein der Prüfung, aber in der Baufinanzierung nicht der einzige. Banken sehen sich Einkommen, Unterlagen und Haushaltsrechnung im Einzelnen an. Trotzdem fließt ein Score in die Einstufung ein, und ein falscher Eintrag kann den Aufschlag oder sogar die Entscheidung beeinflussen.

    Sie haben Rechte gegenüber Auskunfteien. Nach Art. 15 DSGVO können Sie Auskunft über die gespeicherten Daten verlangen, nach Art. 16 DSGVO die Berichtigung falscher Angaben. Der Europäische Gerichtshof hat am 7. Dezember 2023 entschieden, dass bereits die Ermittlung eines Scores eine automatisierte Entscheidung im Sinne von Art. 22 DSGVO sein kann, wenn die Bank ihre Entscheidung maßgeblich darauf stützt (C-634/21). Welche Daten in einen Score einfließen dürfen, regelt in Deutschland zudem § 31 BDSG.

    Fordern Sie Ihre Auskunft deshalb an, bevor Sie eine Finanzierung anfragen, nicht danach. Erledigte Kredite, die noch als offen geführt werden, oder Einträge, die Ihnen nicht zuzuordnen sind, lassen sich so vorher klären.

    Was Sie vor der Anfrage tun können

    Vor der Anfrage können Sie an den Merkmalen ansetzen, die die Bank einpreist. Nicht alles lässt sich kurzfristig ändern, aber einige Punkte schon:

    • Kleine Ratenkredite oder Leasingverträge mit vorhandenem Geld ablösen, wenn danach noch genug Rücklage bleibt.
    • Einen dauerhaft genutzten Dispo zurückführen und den Kreditrahmen gegebenenfalls senken.
    • Die eigene Schufa-Auskunft anfordern und falsche Einträge berichtigen lassen.
    • Mehr Eigenkapital einbringen, wenn es die Auslaufstufe verbessert.
    • Bei einem Stellenwechsel die Anfrage nach dem Ende der Probezeit stellen.
    • Unterlagen vollständig und schlüssig einreichen, damit die Bank nicht mit vorsichtigen Annahmen rechnen muss.

    Warum der Vergleich zwischen Banken trotzdem lohnt

    Der Vergleich lohnt, weil jede Bank Risiken anders gewichtet. Die eine legt mehr Gewicht auf das Einkommen, die andere auf das Eigenkapital, eine dritte hat sich auf bestimmte Berufsgruppen eingestellt. Dasselbe Profil kann deshalb bei zwei Banken in unterschiedlichen Risikoklassen landen.

    Welche Kondition Sie mit Ihrem Profil bekommen, lässt sich nur über eine konkrete Prüfung sagen. Wir vergleichen dafür die Banken mit Ihren Unterlagen und zeigen, an welchen Stellen sich vorher noch etwas verbessern lässt. Mehr dazu auf der Seite Baufinanzierung.

    Häufige Fragen

    Weil die Bank nicht nur das Objekt, sondern jeden Antragsteller einzeln einstuft. Sie schätzt, wie wahrscheinlich ein Ausfall ist und wie viel sie dann verlieren würde. Je höher dieses Risiko, desto mehr Eigenkapital muss die Bank für den Kredit vorhalten und desto höher fällt der Aufschlag auf ihre Refinanzierungskosten aus.

    Vor allem Höhe und Stabilität des Einkommens, die Art der Beschäftigung, der Überschuss nach allen Ausgaben, bestehende Kredite und Ihre Zahlungshistorie, wie sie etwa die Schufa ausweist. Die Bank ist nach § 505b BGB verpflichtet, diese Punkte vor der Kreditvergabe gründlich zu prüfen.

    Der Beleihungsauslauf bestimmt, wie viel die Bank im Ernstfall verlieren könnte. Ist das Darlehen im Verhältnis zum Beleihungswert hoch, deckt ein Verkauf der Immobilie die Restschuld eher nicht vollständig. Deshalb staffeln Banken ihre Konditionen nach dem Beleihungsauslauf, unabhängig von der persönlichen Bonität.

    Der Europäische Gerichtshof hat im Dezember 2023 entschieden, dass schon die Ermittlung eines Scores eine automatisierte Entscheidung nach Art. 22 DSGVO sein kann, wenn die Bank ihre Entscheidung maßgeblich darauf stützt (C-634/21). Sie haben dann unter anderem das Recht, eine Überprüfung durch einen Menschen zu verlangen. In der Baufinanzierung prüfen Banken ohnehin weit mehr als den Score.

    Indem Sie die Merkmale verbessern, die die Bank einpreist: Konsumkredite vor der Anfrage ablösen, Dispo zurückführen, mehr Eigenkapital einbringen, um den Beleihungsauslauf zu senken, und die eigene Schufa-Auskunft auf falsche Einträge prüfen. Welche Kondition daraus folgt, zeigt erst das konkrete Angebot nach Prüfung.

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    Baufinanzierung

    Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Rechtsstand ist der . Für steuerliche Fragen ziehen Sie bitte zusätzlich einen Steuerberater hinzu.

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